And The Winners Are: Enders / Sieverts

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Das Publikum hat entschieden: Gewinner des Neuen Deutschen Jazzpreises – und damit um immerhin 10.000 Euro reicher – wurde das Johannes Enders Quartett (39% der Stimmen), der zweite Platz wurde dem Till Martin Quartett verliehen (35%) und Dritter wurde das Andreas Schmidt Trio (26%).

Der mit 1.000 Euro dotierte Solistenpreis landete ebenfalls im Johannes Enders Quartett. Bei gleicher Stimmenzahl teilten sich Saxophonist Enders und Bassist Sieverts den ersten Preis.

Kurator Wolfgang Muthspiel mit Uli Holz von der IG-Jazz Mannheim

Fröhlicher Jazzpreisträger: Johannes Enders
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Den Freitag-Konzertabend eröffnete das Till Martin Quartett. Ein undankbarer Job, den Wettbewerbs-Abend als erste Formation bestreiten zu müssen aber die Band wurde vom – gerade noch in leidlicher Zahl erschienen – Publikum wohlgesonnen aufgenommen.


Till Martin mit Sebastian Jütte (Till Martin Quartett)

Das durfte individuellen Modern Jazz vernehmen, ausgefeilte Kompositionen und fein durcharrangierte Titel. Daß diese Mischung bei einem großen Teil der Zuhörer gut ankam, ließ sich am Ergebnis der Wahl erkennen: 35% des Publikums nominierten die Band zur besten des Abends. Ein schönes Beispiel für verschiedene Geschmäcker, denn mein Favorit war das Till Martin Quartett nicht. Einen Hauch zu leidenschaftslos und ausgefeilt war mir das Ganze.

Möglicherweise aber auch eine Frage der Einstellung zu Beginn eines Konzertabends, an dem ich vielleicht einen etwas dynamischeren Einstieg erhofft hatte. Henning Sieverts konnte sich immerhin zum ersten mal an diesem Abend für den Solistenpreis empfehlen und tat das auch souverän an Kontrabass und Cello.

Die zweite Band des Abends, das Trio um den Pianisten Schmidt gefiel mir besser. Die drei Herren aus Berlin spielten ein „Hommage an Tristano“ Programm, das zwar in Momenten den direkten Bezug zu Tristano nahm – wenn der erste Titel des Abends auf einer Cellosuite von Bach basierte oder Tristano-Kompositionen gespielt wurden – ansonsten aber gerade in der Triokonzeption so gar nicht der (auch) tristanotypischen Reduzierung der Rhythmusgruppe auf Begleitung und Unterstützung des Solisten am Piano entsprach
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John Schröder (Andreas Schmidt Trio)


John Schröder, Christian Ramond, Andreas Schmidt

Im Gegenteil zelebrierten Christian Ramond am Bass und John Schröder am Schlagzeug ein enorm dichtes, spannungsvolles Spiel, daß sich keine Sekunde dem Pianisten Schmidt als reine Begleitung unterordnete. In diesem Trio steckt brodelnde Dynamik und Spannung, ein hellwaches Miteinander in, manchmal angenehm hypernervösem, Hauptstadtpuls. Vielleicht ist es nur ein Einbildung, als bei einigen der Hauptstadtbands fließt einfach dieser urbane Rhythmus – Parallelen zum letztjährigen Preisträger „Der Rote Bereich“ drängten sich auf…

Schließlich die heimlichen Favoriten des Abends: Das Johannes Enders Quartett.

Heimliche Favoriten, weil Johannes Enders natürlich schon seit Jahren zu den eigenständigsten Saxophonisten in Deutschland zählt, seinen Personalstil als Instrumentalist schon lange gefunden hat und zudem als Komponist und Bandleader eine Reife erreicht hat, die auch seinen Auftritt in Mannheim zum souveränen Konzertereignis machte. Als Komponist und Bandleader unterstützt wurde er von kongenialen Kollegen, Henning Sieverts am Bass, Oliver Kent am Flügel und Alan Jones am Drumset. Würdige Sieger.

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…und natürlich überzeugten sie auch tags darauf im kurzen samstäglichen Preisträgerkonzert mit einigen der Titeln des vorherigen Abends nochmals ;-). Die Preisverleihung ging kurz und schmerzlos vonstatten, die Vertreterin des Maritim Hotels, die den Solistenpreis überreichte, erklärte entwaffnend offen, daß sie zur Vorbereitung des Abends erst einmal bei Wikipedia nachgeschlagen habe, um was es bei Jazz geht… aber ich will nicht lästern – im Gegenteil: Ein Lob an MVV und Maritim für ihr finanzielles Engagement im Rahmen des Neuen Deutschen Jazzpreises.

Noch zwei Konzerte warteten nach dem Preisträgerkonzert auf das Publikum. Zunächst stand der traditionelle „local act“ auf dem Programm. In diesem Jahr war es der in Weinheim lebende Schlagzeuger Dejan Terzic mit seiner Formation Underground. Daß „lokal“ keineswegs mit „provinziell“ assoziiert werden sollte, konnte Terzic mit seinen Mitmusikern spielerisch beweisen. Nils Wogram an der Posaune – großartig, wie immer – Frank Möbus an der Gitarre – exzellent – Henning Sieverts – hat seinen Solistenpreis nicht zu unrecht gewonnen… – und Dejan Terzic am Drumset spielten mit- und hinreißenden „modern jazz“ mit ganz eigener Note, geprägt von folkloristischen Elementen des Balkans.


Erfreulich unsteigerungsfähig also die Vorgabe für den Gitarristen Wolfgang Muthspiel, der mit dem Zwillingsbrüderpaar Matthias Pichler (b) und Andreas Pichler (dr) den Abschluss der Veranstaltung bestritt. Exzellenten Jazz boten die drei Herren aus dem Alpenraum, spannungsgeladen und virtuos. Von Wolfgang Muthspiel hatte man das ohnehin erwartet, vom beeindruckenden Bassisten Matthias Pichler konnten das nur die Eingeweihten vorab wissen. Traumwandlerischer Trio-Jazz – ein würdiger Abschluss der Veranstaltung Neuer Deutscher Jazzpreis 2007.

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