Bill Frisell in Ludwigshafen bei Enjoy Jazz

Bill Frisell 858 Quartet bei Enjoy Jazz in Ludwigshafen

Bill Frisell "klassifiziert" sein Gesamtwerk. Die Besetzung mit Kornett, Violine und Cello + Frisell an der Gitarre ließ es ja schon vermuten.

Mich hat das an den Ansatz von Zappa erinnert, der seine Werke ähnlich in einen klassischen Kontext gestellt hat (zu hören z.B. auf Yellow Shark). Das ist ein interessantes Experiment und stellt die Stücke in einem hochspannenden neuen Kontext auf, wirkt manchmal aber auch etwas bemüht und ist mühsam zu hören. Gerade zu Beginn wirkt das noch etwas sperrig auf moderne Klassik getrimmt, mit „auseinandergerissenen“ nicht homogen wirkenden Passagen.

Letzteres liegt aber vielleicht auch schlicht daran, dass diese Quartett-Besetzung offensichtlich noch eine "working-band" ist. Das Quartett war schließlich schon als Experiment angekündigt und ich könnte mir gut vorstellen, dass die vier Musiker zu Beginn tatsächlich mit dem noch "rohsten" Werk begonnen haben – mit Partituren auf den Notenständern und in Teilen auch durchaus an den Noten klebend.

Am besten und zugänglichsten ist die Band dann, wenn sie bekannte Stücke spielt. Die ausgedehnte Version von „Rag“, das schon auf der CD „Is that you?“ von Anfang der 1990er Jahre zu hören war, ist in dieser Besetzung und mit der Verve der vier Musiker auf der Bühne des „Das Haus“ in Ludwigshafen gespielt, schlicht hinreißend.

Bill Frisell ist Bill Frisell, will heißen: Es waren die typischen Elemente zu hören: der frisellsche weiche Gitarrensound, der Hang zu einprägsamen Melodie-Fragmenten, die Liebe dazu, Patterns zu entwickeln und diese lange und nur leicht variiert zu umspielen. Das passt alles, gibt der Musik manchmal einen hypnotischen Groove und wenn man Frisell über viele Jahre gehört hat, erschien das alles ganz folgerichtig und wieder-erhörbar in diesem Konzert.

(zwei weitere Aufnahmen vom Konzert unter http://www.jazzpages.com/EnjoyJazz)

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