Bremer Jazzpreis

 

Der 2012 erstmals vergebene Bremer Jazzpreis hat sich eine spezielle Nische gesucht: Jazz mit ethnischen Einflüssen soll ausgezeichnet werden. Ausgeschrieben vom Freundes- und Förderkreis des Jazz in Bremen e.V. wird der Preis an eine deutsche Jazzband vergeben werden, die "musikalisch und personell verschiedene Kulturen zusammen bringt".

Die Vergabekriterien sind nicht unkomplex: Von einer Nominierungsjury aus zehn Fachjuroren, darunter Festivalmacher, Musiker und Medienvertreter werden je zwei Bands vorgeschlagen. Per Punktvergabe wird das Teilnehmerfeld auf drei Finalisten für das Wettbewerbskonzert am 28. September im Bremer Musikclub Fritz reduziert.

Wer die Nase vorn hat und 10.000 Euro Preisgeld mit nach Hause nehmen darf, das entscheidet letztlich eine weitere 5-köpfige Live-Jury am Wettbewerbsabend unter dem Vorsitz der UDJ Vorsitzenden und Jazzpianistin Julia Hülsmann sowie 50 Publikumsjuroren, die am Abend aus den Besuchern des Konzerts per Zufall ausgewählt werden – "Publikumspreis light". Warum dies ausgerechnet 50 der Konzertbesucher sein müssen ist ein wenig rätselhaft. Vielleicht weil – wie in einer früheren Presseinformation zu lesen war – die Punktvergabe mittels „moderner elektronischer Eingabegeräte“ vorgenommen werden soll – vielleicht stehen einfach zu wenige der Hightech-Geräte zur Verfügung.

Vielleicht traut man aber auch der Schwarmintelligenz des Bremer Publikums nicht recht über den Weg und hält dessen Einfluss damit ein wenig in Zaum 😉 „Wenn’s schee macht…“ könnte man sagen und sich trotzdem fragen, warum es die guten alten Stimmzettel nicht auch tun – in Mannheim, beim in einigen Details ähnlich angelegten Neuen Deutschen Jazzpreis funktioniert das jedenfalls seit Jahren prächtig.  

Ganz leer ausgehen werden auch die Bands auf den Plätzen nicht: alle drei Finalisten „haben Anspruch auf ein maßgeschneidertes Coachingpaket zur weiteren Karriereunterstützung und profitieren durch die Präsenz in den Fachmedien und Netzwerken“. 

Will Friedmann, Vereinsvorsitzender des Freundes- und Förderkreises begründet den Ethno-Schwerpunkt : „Der Bremer Preis soll neben der künstlerischen auch eine deutlich gesellschaftspolitische Botschaft haben. Jazz hat von Anfang an Ethnien, Kontinente und Kulturen über alle Grenzen hinweg miteinander verbunden. Schwarz und Weiß, oder den Balkan mit Brasilien und Afrika mit Asien. Jazzbands sind oft wunderbare Beispiele für gelungene musikalische Innovation und gleichzeitig für erfolgreiche Integration! Das wollen wir mit unserem Preis sichtbar machen.“

Schön und gesellschaftspolitisch korrekt ist der Ansatz der Veranstalter, vielleicht hätte man allerdings dem damit einher gehenden musikalisch begrenzten Spektrum potentieller Teilnehmer – die eben nicht aus dem typischen Jazzbereich kommen –  auch im Namen der Veranstaltung Rechnung tragen können.

Spannend könnte auch die Frage nach abgelehnten oder akzeptierten Bands werden. Tun es ein paar orientalische Skalen oder eine türkische Frontsängerin? Hätte die Stubenjazzcombo auch eine Chance? Und "how did Tab Two come into the show" der diesjährigen Auswahl? (Überhaup nichts gegen Tab Two – Hattler und Kraus sind super – aber auf Anhieb erschließt sich deren Teilnahme im Ethnokontext – zumindest mir – nicht).  Man wird sehen, wie sich der Bremer Jazzpreis bezüglich solcher Fragen in den kommenden Jahren entwickelt.

www.jazzpreis-bremen.de

(
übernommen von www.jazzpages.com)

Schreibe einen Kommentar