Ditzner – Lehmann im Hallenbad Speyer

Erwin Ditzner & Bernd "Lömsch" Lehmann –  Lehmann mit dem Holzblas-Instrumentarium von der Klarinette übers Tenor bis zum Baritonsaxophon, Erwin Ditzner am überschaubaren Schlagzeug – die nüchternen Zutaten für das Konzert im trockengelegten Hallenbad in Speyer.

Die beiden Herren hört man fast schon zwangsläufig regelmäßig – wenn man gepflegte Musik schätzt und im Rhein-Neckar-Raum sein Dasein fristet.  In verschiedenen größeren Formationen sind sie immer wieder auf einander getroffen, als "Ditzner – Lehmann Duo" sind sie seit 2006 unterwegs.

"free jazz" haben sie auf ihr Plakat drucken lassen. Fast schon eine Tollkühnheit angesichts der grundsätzlichen Malaise, daß Jazz an sich eher wenig magnetisch auf die Menschheit wirkt  und free jazz dem Normalmenschen wahlweise Angstschweiß auf die Stirn oder Abscheu ins Gesicht meisselt.
 
Tatsächlich spielen die beiden Musiker aber das Beste, was man sich unter dem Begriff free jazz vorstellen mag. Keineswegs formloses Aneinander-Vorbei-Spielen sondern Musik, die sich alle nötige Freiheit nimmt und in ihren besten Momenten eine magische Intimität vermittelt.

Das reizvolle am Duo ist nicht nur die Transparenz, die den Zuhörern einen unmittelbaren Zugang zur Musik verschafft, sondern tatsächlich auch die Begrenzung, die sich aus dem "Aufeinander-Hören" müssen, dem "Aufeinander-Eingehen" ergibt. Souveränität und  blindes Verständnis von Ditzner und Lehmann ermöglichen traumwandlerische gemeinsame Improvisationen. Sie schöpfen aus der Jazzgeschichte ebenso wie aus der Popmusik ohne in platten Eklektizismus zu verfallen und damit gelingt ihnen eine überaus eigenständige Musik.

Es gibt eine ganze Reihe schöner Beispiele großartiger Duos, alle mit ihrer eigenen Qualität. Cherry & Blackwell, Lacy & Waldron, Dauner & Mangelsdorff, Allan Botschinsky & Niels-Henning Ørsted Pedersen… allesamt großartige musikalische Zweierbeziehungen, immer individuell und kreativ. Ditzner & Lehmann gehören in diesen erlauchten Kreis.

Ein Wort zum Veranstalter.

Das „Kommando Hasenpfuhlstraße“ ist eine Gruppierung von Aktionisten, Künstlern, Filmemachern und Musikern und hat sich entwickelt aus einer WG, wohnhaft in der Speyerer Altstadt (Hasenpfuhlstraße eben). Sie haben die „Welt der blauen Kachel“ – das inzwischen fast dem Abriss geweihte Hallenbad – in der Butenschönstraße als Veranstaltungsort aufgebaut. Ein spannendes und angenehmes Ambiente – empfehlenswert.

4 Gedanken zu „Ditzner – Lehmann im Hallenbad Speyer

  1. Hallo,

    einfach toll – das Foto. Kandidat für mein persönliches „Jazzfoto of the year“ 😉
    Konzert war sicher auch genial. Leider war ich am Wochende unterwegs. Ich bin mir sicher, der Weg nach Worms hätte sich gelohnt.

    Viele Grüße

    Jochen

  2. Ich habe mich gefreut, weil wegen des Newsletters immerhin mindestens 4,5 (die halbe Portion ist Jochen, der fast gekommen wäre) im Konzert waren. Vielleicht auch noch ein paar Unbekannte mehr. Scheint so, als ob das Geschreibsel im Netz nicht völlig nutzlos ist…

    @ Jochen

    Der Weg nach Worms hätte sich eher nicht gelohnt, denn das Konzert war in Speyer 🙂 Danke für die Blumen wegen des Fotos. Eine Galerie mit weiteren netten Aufnahmen der beiden Meister gibt’s demnächst im Netz.

    Viele Grüße

    Frank

  3. >>Ich habe mich gefreut, weil wegen des Newsletters immerhin mindestens 4,5
    >>(die halbe Portion ist Jochen, der fast gekommen wäre) im Konzert waren.
    … ruhig weiter so! Es ist ziemlich schwierig in der absoluten Jazz-Diaspora Rhein-Main/Main-Neckar den Überblick zu behalten. Daher bin ich immer für Konzert-Hinweise aus den südlicheren Gefilden dankbar.
    Zumal sich ein Besuch des „jazzbloggers“ wg. der Bilder immer lohnt.

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