Elliot Sharp bei Enjoy Jazz

Elliot Sharp spielte sein Solo-Konzert  in Konkurrenz zu einem der – glücklicherweise wenigen – Doppeltermine bei Enjoy Jazz 2007. Während in Mannheim mittelalterliches Liedgut vom Trio Medieval gesungen wurde, machte sich der New Yorker Gitarrist an die sperrigen Kompositionen von Thelonious Monk und außerdem an die des eher  unbekannten Komponisten (O-Ton Sharp) namens Sharp.

Das ganze Konzert bestand aus nicht mehr als fünf Stücken, davon waren zwei relativ kurz – die Zugaben –  und drei sehr lange Improvisationen. Elliot Sharp spielte sich eher langsam warm mit – ich glaube es war – Epistrophy (mit der Bitte um Korrektur, falls nötig…).

Sharp spielt perkussiv, finten- und ideenreich, manchmal ertönen zarte Flageolett-Töne aber typisch ist doch eher kräftig Gezupftes und  kernig Geschlagenes. Im ersten Stück wirken die Improvisationen noch gelegentlich ein wenig sprunghaft. Er hüpft von Idee zu Idee und reizt sein spielerisches und technisches Potential aus. Fast zuviel des kreativen Geistes – gelegentliche Rückkehr zum Thema aber sogleich schon wieder auf ausgedehnter Erkundungsreise – melodisch, klanglich und spieltechnisch. Da gab es manchen Bruch, der nicht unbedingt folgerichtig erschien.

Erst bei seiner Eigenkomposition, dem zweiten Stück des Konzerts, ist die Form geschlossener. Hier gelingt Sharp der größere Bogen. Er verliert sich weniger im Detail, die Musik wirkt ausgefeilter und insgesamt eher aus einem Guss. Aber auch hier sein spezielles spielerisch reiches Repertoire: Perkussiv, das ganz Instrument mit einbeziehend, kleinräumiges Trommeln auf dem Gitarrenhals, gelegentlich fast schon seriell anmutende Musik mit minimal variierten patterns über Minuten und dann wieder Klangzaubereien, mit ostinaten Tönen, gegen die immer wieder frei Gezupftes geworfen wird.

Man kann den Mut eines Künstlers gar nicht hoch genug schätzen, der sich solo, mit nichts als seinem Instrument und einigen Ideen im Kopf auf die Bühne setzt und musiziert. Sharps Einladung  an die Zuhörer in seinen musikalischen Kosmos einzutauchen nahm das Publikum im komplett gefüllten Karlstorbahnhof gerne an – es war ein Vergnügen, der Offenheit, der überbordenden Entdeckerfreude und der musikalischen Fähigkeit Elliot Sharps an diesem Abend zu lauschen.

PS: Elliot Sharp war auch schon bei einer der Matineen von Enjoy Jazz zu Gast.

 

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