Endlich wieder ZEIT Magazin

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Die „Bravo für Abiturienten“ (Nachtrag. Mir ist gerade eingefallen, von wem dieses schöne Zitat stammt. Es ist vom besten mir bekannten Kabarettisten: Volker Pispers), die gute alte Tante ZEIT. Die Hamburger Wochenzeitung hatten wir jahrelang wöchentlich bezogen und irgendwann im vergangenen Jahr lief das Abo aus. In einem törichten Abwägungsprozess (seit Jahren stagnierendes Gehalt, steigende Lebenshaltungskosten, die Kinder werden auch immer teuerer, andere Interessen) verschwand das Blatt durch einfaches Nichtstun stillschweigend aus unserem Leben.

Daß doch etwas fehlt, war bald bemerkt und nach gelegentlich erstandenen Einzelexemplaren und wie in alten Zeiten verbrachten Wochenenden mit stundenlanger Lektüre des unhandlichen Papierwustes war klar: Die ZEIT muss wieder regelmäßig ins Haus. Das Blatt ist eben doch der auf Dauer erträglichste Lesestoff, viel Kluges und Überlegenswertes, natürlich auch manch Läppisches und mit einigem, das glücklicherweise immer noch Widerspruch hervorruft.

Mehr will ich gar nicht von einer Zeitung.

Und dann noch eine gute Nachricht: Das ZEIT Magazin kommt wieder. Vor einigen Jahren war diese Beilage – auf vernünftigem Papier gedruckt: Fotografie in leidlich guter Qualität! – die später in der Rubrik „Modernes Leben“, noch später „Leben“ aufgegangen war, dem Rotstift zum Opfer gefallen. Damals in der Zeit, als auf Papier gedrucktes schon endgültig in hoffnungsloses Hintertreffen zum Journalismus auf Mattscheibe und am Computerbildschirm zu geraten schien. Mittlerweile hat sich die Position von Zeitungen offensichtlich deutlich verbessert, Gewinne werden eingefahren und so wird auch das Magazin ab 24. Mai wiederbelebt.

Die gute Nachricht.

Weniger gut, daß im Zuge der Neuauflage nicht endlich die Rubrik „Ich habe einen Traum“ entsorgt wird. Dummdreistes oder nichtssagendes Gelalle vermeintlich wichtiger Menschen, darauf könnte ich getrost verzichten – auch wenn das manchmal schon unfreiwillig komisch gerät – wie damals als Hans-Olaf Henkel über seinen Traum, wie Charlie Parker zu sein, schwadronierte (endlich der Dreh zum Jazz: Konrad Heidkamp bleibt wohl im Feuilleton, wo der Jazz seinen museal angehauchten „sporadischen Stammplatz“ hat). Immerhin bleibt der Feinschmecker-Kauz Siebeck erhalten. Der verzapft zwar auch viel Hanebüchenes, ist aber aus diesem Grund schon eher mild belächelter Kult.

Welcher Esel die Redaktion allerdings geritten hat, eine neue Rubrik mit dem Titel „Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt“ einzuführen und das in der aktuellen ZEIT auch noch mit einem halbseitig hohen Foto des Herren zu bewerben, mit einer ebensolchen ostentativ im Mund, das wissen die Götter. Pure, platte Dummheit kann es ja nicht sein. Gewollter „Tabubruch“ a la „Huhuhu die ZEIT folgt nicht immer dem Mainstream – wir können auch mal richtig politisch unkorrekt sein“ vielleicht? Fast schon beruhigend, daß auch bei der ZEIT offensichtlich Menschen arbeiten, die nicht davor gefeit sind weit daneben zu greifen.

Vielleicht passt aber auch alles wunderbar zusammen, schließlich schien so mache Meinung des Herrn Schmidt gelegentlich leicht kalkverseucht und so schließt sich möglicherweise der gefäßverengte Kreis und feinste Ironie durchweht das neue ZEIT Magazin. Ein Mann, seine Zigarette und ein beschauliches Plätzchen im Magazin um seine Weltsicht zu verbreiten. Das neue Abo wird trotzdem bestellt.

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PS: Eine ähnliche Beilage wie das ZEIT Magazin hat(te?) auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Vor Jahren fiel mir ein Exemplar davon in die Hände in der ein wunderbar bebilderter Artikel über den Trompeter Don Cherry zu finden war. Fall jemand diesen Artikel noch in seiner Sammlung hat und bereit wäre ihn zu scannen und mir zuzusenden: Ich wäre dankbar (und würde mich mit einem Original-Foto dafür bedanken).

2 Gedanken zu „Endlich wieder ZEIT Magazin

  1. @ ich habe einen traum
    @ zigarette mit schmidt

    „soviel nichtssagendes gelalle –
    und so weit daneben gegriffen“

    welch überwältigende wucht
    egomaner erkenntnisgöttlichkeit.
    Noch differenzierter ging’s wohl nicht?

    na denn!

  2. Ja, es ist daneben gegriffen eine Rubrik „Auf eine Zigarette“ zu benennen. Und nur weil ein alterstarrer Schmidt meint, demonstrativ die Fluppe als ultimativen Audruck seiner Freigeistigkeit allüberall in die Öffentlichkeit halten zum müssen, müsste die ZEIT den Unsinn keineswegs mitmachen.

    …und die Ergüsse prominent bis halbprominenter Menschen in der Rubrik „Traum“ muss man nur lesen. Schwupps könnte man meine Meinung teilen. Das Henkel-Beispiel ist nur die Spitze des Eisbergs.

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