Enjoy Jazz Pressekonferenz

Enjoy Jazz Pressekonferenz 2008

Zur finalen Enjoy Jazz 2008 Pressekonferenz hatten die Organisatoren in den Europäischen Hof in Heidelberg geladen. Der ist einer der neuen Sponsoren des Festivals und "Rahmengeber" inklusive Kronleuchter für die gut besuchte Veranstaltung. Überregionale Presse von FAZ bis Arte und die üblichen Verdächtigen aus der Region saßen im Publikum.

Wer aufmerksam im Vorfeld war, dem wurde nicht allzu viel Neues präsentiert und so flogen auf dem Podium im wesentlichen zunächst die Lobpreisungsbälle hin und her. Tatsächlich könnten auch nur Miesepeter meckern: es ist in der Tat eine beachtenswerte Leistung über 10 Jahre ein kontinuierlich wachsendes Festival nicht nur am Leben zu erhalten, sondern das Niveau von Jahr zu Jahr zu steigern und mit sinnvollen Ergänzungen behutsam auszubauen.

Die bekannte Klage über die mangelnde finanzielle Beteiligung von Städten und Ländern möchte man aus rein sachlichen Gründen nicht mehr hören – man kennt sie leider seit Jahren.

Tatsächlich hat nur die Stadt Mannheim im Jubiläumsjahr ihren Anteil erhöht – auf 34.000 Euro – bei einem Gesamtetat von knapp unter 1 Million Euro ein schnell verdampfender Tropfen auf dem heißen Stein. Der sich allerdings schon wie ein Wasserfall ausmacht, im Vergleich zur „üppigen“ Förderung des Landes Baden-Württemberg, das sich mit satten 4.000 Euro engagiert.

Wenn Rainer Kern auf die Jazzopen in Stuttgart hinweist, die mit erklecklichen Beträgen der öffentlichen Hand alimentiert werden und sein Unverständnis darüber äußert, dass damit Pop-Musik wie Lenny Kravitz, Paul Simon und Mike Batt bezahlt werden, so kann man ihm nur beipflichten. Möglicherweise wirkt der Metropol-Region-Ansatz in Bezug auf die Förderung durch die öffentliche Hand kontraproduktiv  – man schmückt sich zwar gern mit dem Festival aber drei Städte und drei Länder können sich gut hintereinander verstecken und die Schatullen bleiben schön geschlossen…

Herr Gerner, Vertreter der Stadt Heidelberg rät dazu, verstärkt direkt auf den Gemeinderat zuzugehen und aktivere Lobbyarbeit zu leisten. Das mag ein wohlgemeinter, praxisbezogener Rat sein aber umgekehrt würde ich erwarten, dass ein zehnjährig erfolgreich durchgeführtes Festival Argument genug sein müsste, aktiv zum Erhalt des Festivals beizutragen.

Vielleicht sollte man aber auch froh sein, dass nicht allzu üppig öffentliche Gelder fließen. Die Gleichung: Viel öffentliche Gelder = Zwang zu Großveranstaltung mit  Breitenwirkung hat schon manches Festival ins seichte Pop-Gewässer gezogen.

Wenn der "public part" zu wünschen übrig lässt, so ist das "private partnership" ein sehr erfreuliches Kapitel. Jürgen Fritz von SAS und Klaus Gasteiger von BASF wussten in ihrer Rolle als *glückliche* Sponsoren zu überzeugen. Man nimmt Fritz ab, dass sich das positive Image von Enjoy Jazz positiv für SAS auswirkt (Hauptsponsor, Matineen, überregionale Presse, Jazz wird langsam Teil der SAS-Firmenkultur ;-)) und auch bei BASF bleibt nicht unbemerkt, dass ein Ereignis wie das Coleman-Konzert im Jahr 2005 einen langfristig positiven Effekt in der Außenwahrnehmung bewirkt. Der Pulitzer-Preis für die Aufnahme dieses Live-Konzerts war die Kirsche auf der Sahne. Im zweiten Jahr engagiert sich auch das Unternehmen Verivox bei Enjoy Jazz 2008.

Dass hochkarätige Künstler in diesem und in den vergangenen Jahren gelegentlich nur mit Spezialsponsoring der Sponsoren zu finanzieren sind und waren, und die fetten Fische im Jazzteich gelegentlich einfach zu weit entfernt schwimmen, damit muss auch das erfolgsverwöhnte Enjoy Jazz Festival leben.

Ehrlich gesagt, kann ich sehr gut damit leben,  solange es mit Ornette Coleman, Herbie Hancock, Lee Konitz – um nur einige zu nennen – eben doch gelingt sehr bekannte Künstler zu präsentieren und sich vor allem erfreulich viel eher Unkommerzielles und Mutiges im Programm findet. Es sind dermaßen viele hochkarätige – wenn auch weniger bekannte – Musiker auf den Bühnen, dass jederman problemlos die sechs Wochen Festival mit Genuß überstehen kann.

Der breite Erfolg und ein Geheimnis des Festivals liegt in der großen Menge von Veranstaltungen, die auch die Spezialisten ausreichend mit "ihrem" Jazz oder eben Anderem versorgt. Über 70 Konzerte in sechs Wochen (20% mehr als im vergangenen Jahr!) kann kein normaler Mensch besuchen und die 40, die den Jazzblogger interessierten, sind auch nur Wunschtraum eines unter chronischem Zeitmangel leidenden Jazzliebhabers…

Meine bisherigen Favoriten habe ich im Gesamtprogramm des Festivals markiert – zumindest die Spitze des Eisbergs 😉

 

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