Freies Radio Rhein-Neckar – Quo vadis?

 

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Bisher schon immer mal wieder aufwallende Streitigkeiten im Verein des bermuda.funk haben sich mittlerweile so aufgeschaukelt, daß einige Ex-Mitglieder des Vereins sich aufmachen eine eigenes Lokales Radio auf die Beine zu stellen.

Freies Radio im Rhein-Neckar-Raum ist allerdings begrenzt. Bis dato muss sich der bermuda.funk die Frequenz ohnehin schon mit Radioaktiv, dem Studentensender aus Heidelberg und Mannheim teilen (was an sich schon qualvoll ist, weil dort ganz offensichtlich der Kommerzfunk Pate und leuchtendes Vorbild der meisten Sendungen ist). Mehr Frequenzen wird es nicht geben.

Pikant und befeuert wird die Angelegenheit noch einmal durch die in diesem Jahr anstehende Neu-Lizensierung der drei Sender. Radioaktiv ist auf mehr Sendezeit aus – also auf Zeit, die bisher vom bermuda.funk bespielt wird –  und beide Sender müssen überzeugende Sende- und Senderkonzepte entwickeln, um die Neu-Lizensierung zu schaffen

Die Initiative für ein neues lokales Radio (NKL = Nicht kommerzielles Lokalradio) steht damit in direkter Konkurrenz zu beiden. Das Hauen und Stechen ist allerdings in erster Linie zwischen bermuda.funk und den "bermuda.funk Dissidenten" zu erwarten.

Als bermudafunker der ersten Stunde (Jazzology – Die Jazzsendung im bermuda.funk) liegt mir einerseits das freie, alternative Konzept des Senders nach wie vor am Herzen. Ein rüder Umgang miteinander und eine Tendenz zu ausgrenzender ideologischer Ausrichtung durch einen Teil der Mitglieder im Verein hat zur jetzigen Situation beigetragen.

Es wäre nicht erstaunlich, wenn der Kampf  um Lizenz und Sendezeiten letztlich mit einem lachenden Dritten – Radioaktiv – endet und nicht mehr allzu viele übrig bleiben um die Scherben zusammen zu kehren. Die Chancen für  die Etablierung eines neuen Senders halte ich für gering. Eine bestehende Infrastruktur, die langjährige und in Teilen sehr erfolgreiche Arbeit des bermuda.funks "on air", eine immer noch erträglich breite Basis von engagierten Sendenden und Mitarbeitern hinter den Kulissen – das sind die Pfunde, mit denen der Sender bei der Neuvergabe wuchern kann. Die tiegreifenden strukturellen und menschlichen Probleme werden leider absehbar nicht gelöst, sondern in den kommenden Wochen vielmehr verschärft zu Tage treten.

 

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