Heinz Sauer – If (Blue) Then (Blue) / Review

 Heinz Sauer If (Blue) Then (Blue)

Das Jahr beginnt gut, denn beim ACT kommt eine neue CD von Heinz Sauer heraus. Als gute Nachricht kann man das einschätzen ohne einen Ton vorab zu hören. Sauer spielt seit Jahren in (s)einen gereiften, unverwechselbaren Stil: typisch ab dem ersten Ton, mit einer gewissen Rauigkeit, einer Heiserkeit speziell in seinen kurzen Ausbrüchen, die eher wie ein Aufschluchzen klingen.  Wenn er bekannte Standardthemen aufgreift, dann reduziert er sie bis aufs Skelett. Meisterhaft versteht er diese Reduktion aus Allerwesentlichste. Nur Melodiekürzel vom Original, verfremdet die Harmonik. Die Stücke kommen aus dem Nichts und verschwinden darin, enden gelegentlich abrupt wie einfach abgestellt.

Der etwas sperrige Titel der neuen Einspielung spiegelt den expliziten Bezug auf Miles Davis Klassiker "Kind Of Blue" wider. Drei der Titel dieser berühmtesten aller Jazz Aufnahmen finden sich auf Heinz Sauers CD und gleich der Erste,  "All Blues" ist ein Paradebeispiel für Sauers typischen Stil: Praktisch ohne Vibrato spielt er nichts weiter als einen einzigen ersten Ton, langezogen, wiederholt ihn dreimal und  Wollny tupft einige Klaviertöne hinzu. Beide entwickeln das Stück so, dass erst  gegen Mitte des Stückes das Thema überhaupt erkennbar wird – und das zunächst auch nur in der Piano-Begleitung von Wollny, die aber auch schon alsbald wieder die die gewohnten Harmonien hinter sich lässt. Im weiteren Verlauf streifen die beiden Musiker dann nur noch fragmentarisch das Original. Sauer skizziert meisterhaft das Thema mit nur einigen wenigen Tönen und beide kreieren in der Kürze der knapp dreiminütigen  Miniatur eine großartige Atmosphäre, die nicht nur das Original paraphrasiert sondern ein ganz eigenständiges kleines, in sich geschlossenes Meisterwerk entstehen lässt. Die Blaupause für alle Titel dieser CD.

Ein neuer Aspekt von "If (Blue) Then (Blue)" ist die Variation der Duo-Besetzung. Exakt die Hälfte der sechzehn Titel ist mit seinem Duopartner am Klavier der vergangenen Jahre eingespielt. Michael Wollny und Sauer verstehen sich mittlerweile blind und wirken auf dieser CD möglicherweise noch verwobener und traumwandlerischer im Zusammenspiel als bei den bisherigen Einspielungen. Auf den weiteren Titeln der CD spielt Heinz Sauer mit dem Pianisten Joachim Kühn. Ich kann zu dem Experiment raten, die Stücke anzuhören ohne  vorher die Besetzung zu erspicken. Ich höre in Kühn einen weniger auf Konsens bedachten Begleiter, einen der seine starke Persönlichkeit als Duopartner auslebt und weniger impressionistisch als Wollny klingt, stattdessen vielmehr expressiv einen Gegenpart  zu Sauer sucht. Reizvoll sind beide Kombinationen.

"If (Blue) Then (Blue)" markiert im jungen Jahr 2010, das zum Zeitpunkt der Entstehung dieser Zeilen noch nicht einmal begonnen hat, einen ersten Höhepunkt an dem sich andere Einspielungen zu messen haben werden…

If (Blue) Then (Blue) erscheint bei ACT am achten Januar 2010

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