"Jazzpolizei" ist ein gängiger Begriff für die Menschen, die im Jazzbereich glauben anderen die reine Lehre des Jazz nahe bringen zu müssen. Am allerliebsten anhand schlechter Beispiele mit Abweichlern vom wahren Jazz-Glauben. Ein Begriff, den diejenigen, die damit  bedacht werden, eher weniger schätzen. Ich hatte das Vergnügen bislang selten – vor Jahren mal in der deutschen Jazz-Newsgroup, leider von einem Idioten, also nicht einmal viel Ehr.. – und sollte daher vielleicht einmal überdenken ob dieses Blog nicht gar zu kuschelig ist.

Andererseits frage ich mich, ob "Jazzpolizei" nicht ohnehin ein vertrocknet und verstaubter Begriff ist und durch den Begriff "Jazz-Taliban" abgelöst werden sollte (für den ich hiermit augenblicklich Geschmacksmuster und Erfinderschutz beanspruche, wenn’s nicht längst schon jemand getan hat).

Wie viel präziser fasst dieses Wort den fundamentalistischen Furor des Vertreters der reinen Jazz-Lehre, den Grimm, den er verspürt, wenn weichgespülter "akustischer Giftmüll" (M. Laurentius) die Trommelfelle belästigt. Andererseits könnte die Lebenszeit des Wortes "Taliban" begrenzt sein. Hoffen wird doch alle, dass die Taliban irgendwann gehen – und die Polizei bleibt. Nach diesem Schwung ins Politische zurück zum Jazz. Aber eigentlich habe ich keine Ahnung, warum diese Gedanken auf dem elektronischen Papier landen, ausgerechnet, während ich mir die CDs der diesjährigen Finalisten des Neuen Deutschen Jazzpreises anhöre. Ende dieses Blogbeitrages.

Nicht ganz, denn PS: Diese Aufnahmen gehören glücklicherweise weitgehend *nicht* in die Giftmüll-Kategorie. Da gibt’s höchstens ein wenig "Giftmüll-Light" – sollte doch dringend erwähnt werden.