Jacqueline Hopkins

 


jh records
Rogers Winthorp Entertainment

Im Grunde ist diese Scheibe ein Fiasko. Die ersten paar Takte verleiten zum sofortigen Recherchieren, ob man es vielleicht mit einem ausgefeilten Jazz-Scherz zu tun hat. Man nehme eine offensichtlich als Sängerin komplett talentfreie Frau und spiele eine CD ein, die allen gängigen Standards musikalischer, vor allem gesanglicher Qualität diametral entgegen gesetzt ist. Und dann mal schauen, wie die Gemeinde reagiert…

Meine Recherchen ergaben in diese Richtung allerdings rein gar nichts. Also ist diese eine Platte eine Entdeckung. Die Entdeckung der Florence Foster Jenkins des Jazz.

Es gibt ein paar Regeln, auf die man sich im Musikleben geeinigt hat. Als Sängerin gehört dazu, dass Töne halbwegs sicher getroffen werden, ein gewisses Rhythmusgefühl vorhanden ist und dass man einen Ton einigermaßen stabil halten kann. Gelegentliches bewußtes Außer-Acht-Lassen dieser Regeln kann  Musik würzen. Jacqueline Hopkins bereitet aus der Negation dieser Grundqualifikationen allerdings ein komplettes Gericht.

Ein Verriss dieser Platte – natürlich – unter musikalischen Gesichtspunkten ist sie grauenhaft. Da hilft es nichts, wenn Elise Wood wacker die Melodie mitflötet um Jacqueline auf den rechten musikalischen Pfad lotsen und dort zu halten und gelegentlich sogar ganz hörenswerte Solos von Antoine Drye an der Trompete oder Grant Langford am Sax zu hören sind. Es sind sogar einige nette musikalische Ideen zu entdecken – allein, wie wollen die sich gegen diesen Gesang durchsetzen?

Trotzdem möchte ich diese Platte empfehlen. Als glanzvolles Beispiel von Beharrlichkeit und des unerschütterlichen Glaubens an sich selbst.  Ist doch großartig, wenn sich Jacqueline einen Traum erfüllt und eine eigene Jazz-CD aufnimmt. Wenn sie unbeirrt Konventionen trotz, diese wahrscheinlich nicht einmal wahrnimmt und der Hochglanzmusik eine lange Nase dreht. Eine Rarität im CD Regal, wie eben die Werke der oben genannten klassischen Sängerin.

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