Jazzsplitter 090722

Enjoy Jazz aktuell

Bei Enjoy Jazz, dem größten Jazzfestival der Rhein-Neckar Metropolregion (und mittlerweile auch als "umfangreichstes Jazzfestival" überhaupt bezeichneten) kristallisiert sich nach und nach das komplette Programm heraus. Wirklich komplett wird es allerdings immer erst kurz vor Druckunterlagenschluss des gedruckten Programms. Der aktuelle Stand der Dinge findet sich in diesem Beitrag beim Jazzblogger und natürlich auf der offiziellen Website www.enjoyjazz.de.

Schön und passend die Meldung, dass am 21.9.2009 Festivalleiter Rainer Kern persönlich im Freien Radio Rhein-Neckar, dem bermuda.funk in meiner Sendung jazzology zu Gast sein wird. Bitte merken und einschalten! Aber keine Sorge, kurz vorab gibt’s natürlich noch einmal eine Erinnerung…

In der vergangenen Woche stellte Rainer Kern die Ergebnisse einer von Ellen Scherr erarbeiteten Diplomarbeit (ich weiß nicht für welches Fach…) an der Hochschule Heilbronn vor.  In der regionalen Qualitätszeitung wurde darüber berichtet und die Ergebnisse interpretiert.

Dass Enjoy Jazz ein eher regionales Festival ist, kann angesichts der Festivalstruktur nicht überraschen. Über mehrere Wochen findet es statt und der Großteil (73,8%) der Besucher stammt aus der näheren Region. Immerhin rund 16% kommen aus entfernteren Städten wie Frankfurt, Stuttgart oder Saarbrücken. Auf dieses Publikum zielen natürlich auch die Hotel- / Konzertbundles, die im vergangenen Jahr erstmals angeboten wurden.

Wenig überraschend auch die Steigerung der Zuschauerzahl von rund 7.000 (1999) auf 24.000 (2008). Natürlich hat das mit dem steigendem Renommee des Festivals zu tun aber logischerweise auch nicht weniger mit der drastisch gestiegenen Konzertzahl. Auch nur auf den ersten Blick überraschend ist der erfreulich niedrige Altersschnitt der Enjoy Jazz Besucher: ein Drittel entfällt auf die 20-30-jährigen. Die geschickte Programmplanung mit Ausflügen in den Pop-, Rock- und Clubbereich ist vermutlich verantwortlich. Laut RNZ ist der 50-60-jährige Bereich mit 12% gut vertreten, das sei das Segment der "klassischen Jazzfans". Diese Klassifizierung scheint mir eher der Fantasie des RNZ-Schreibers entsprungen aber so ganz falsch liegt er damit auch wieder nicht. Der Jazzblogger, als selbsternannter klassischer Jazzfan drückt damit den Altersschnitt ­čśë

Treue und hohe Bildung wird den Enjoy-Jazz Besuchern schließlich noch attestiert: Über 50% haben ein abgeschlossenes Studium und 55% der Besucher waren schon mehrmals beim Festival – knapp 5% sind schon seit 1999 regelmäßig mit dabei. Allan und Barabara Pease haben schon vor Jahren festgestellt, dass Jazzfans 34% mehr Sex als der Durchschnitt der Bevölkerung haben – vergleichbare Forschungen sind bei der Enjoy Jazz Studie allerdings nicht erhoben worden. Offene Themen für zukünftige Studien… ­čśë

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30. Konstanzer Jazzherbst + 23. LandesJazzFestival

Im besten Alter präsentiert sich der Jazzclub Konstanz mit seiner etablierten Veranstaltung "Konstanzer Jazzherbst". Die 30. Ausgabe findet in Kombination mit dem LandesJazzFestival im Herbst 2009 statt. Das Programm ist entsprechend umfangreich und hochkarätig:

Fr. 23.10.09 – 20 Uhr – Steigenberger Inselhotel, Festsaal

Konstanzer Begegnungen
Günter „Baby“ Sommer Solo
Konrad-Hügle-Schorn Sax-Trio
Günter "Baby" Sommer (dr), Bernd Konrad (sax), Ewald Hügle (sax), Steffen Schorn (sax, JazzPreis BW 1999)

Sa. 24.10.09 – 20 Uhr – Kulturzentrum am Münster, Wolkensteinsaal

Schorn/Manzecchi Duo
Steffen Schorn (bsax,bcl), Patrick Manzecchi (dr)

Kühntett Extended
Axel Kühn (b, JazzPreis BW 2009) Alexander Kuhn (sax), Andi Maile (sax), Christoph Heckeler (p), Fabiano Pereira (g) und Marcel Gustke (dr)

So. 25.10.09 – 20 Uhr – Stadttheater, Großes Haus

Sennentunschi …oder wenn Wünsche wahr werden
Susi Wirth (Text, Stimme), Samuel Rohrer (comp, dr), Vera Kappeler (comp, p), Flo Stoffner (comp, g).
Eine Gemeinschaftsproduktion von Jazzclub Konstanz, Stadttheater Konstanz und Kulturbüro der Stadt Konstanz.

Di. 27.10.09 – 20 Uhr – Kulturzentrum am Münster, Wolkensteinsaal

Grupa Janke Randalu
Bodek Janke (dr, JazzPreis BW 2008), Kristian Randalu (p, JazzPreis BW 2007)

Keller´s <10>
Reto Anneler (as, ss, fl), Rafael Schilt (ts, bcl), Matthias Tschopp (bs, bcl), Dave Blaser (tp, flh), Mats Spillmann (tp, flh), Bernhard Bamert (tb), Fabian Beck (btb, tuba), Thomas Luescher (p, Rhodes), Peter Gossweiler (b), Marius Pleyer (dr), Beat Keller (comp, cond)

Mi. 28.10.09 – 20 Uhr – Schloss Mainau, Weißer Saal

Wort.Klang.
Barbara Balzan (voc), Joanna Lisiak (Text), Gregor Müller (p), Attilio Zanchi (b), Tony Renold (dr).
Eine Gemeinschaftsproduktion von Jazzclub Konstanz, Europäischem KulturForum und Kulturbüro der Stadt Konstanz.

Do. 29.10.09 – 20:30 Uhr – K9

Duo Hasler/Hanschel „Poetrance“
Gabriele Hasler (voc), Roger Hanschel (sax).
Eine Gemeinschaftsproduktion von Jazzclub Konstanz und Kulturbüro der Stadt Konstanz.

Limes X
Frank Bebelaar (p, JazzPreis BW 2000), Frank Groll (sax, bcl, JazzPreis BW 2003), Bernd Settelmeyer (dr)

Fr. 30.10.09 – 20 Uhr – Kulturzentrum am Münster, Wolkensteinsaal

Jazz für Kinder
"Pernille und das Geheimnis der Off Beats"
von Anette von Eichel (voc) und mit Anna Stijohann (voc), Marco Lackner (sax,cl,fl), Florian Zenker (g), Jens Loh (b), Dirik Schilgen (dr)

HDV-Trio
David Helbock (p), Lucas Dietrich (b), Marc Vogel (dr)

Humour´s Humidity
Oliver Roth (fl), Reto Straub (p), Martin Wyss (b), Michi Stulz (dr)

Sa. 31.10.09 – 20 Uhr –Stadttheater, Großes Haus

Steffen Schorn Festival Ensemble – Unsere Band in Residence –
Steffen Schorn (comp, cond), Roger Hanschel (sax), Claudio Puntin (cl, bcl), Lars Andreas Hang (tuba/N), Jörg Brinkmann (vc), Johannes Billich (keyb), n.n (fagott), Bodek Janke (dr)

 

Der Jazzblogger überlegt sich, seinen Canadier aufs Auto zu schnallen und Richtung Bodensee aufzubrechen. Am Tag auf den See und abends feine Musik beim Jazzherbst, das wär’s doch.

 

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 MPS-Studio unter Denkmalschutz

Die Stadt Villingen-Schwenningen will das Tonstudio MPS (Musikproduktion Schwarzwald) in der Villinger Richthofenstraße zum Kulturdenkmal in der höchsten Kategorie erklären. 

„Die Denkmaleigenschaften des Tonstudios und die Notwendigkeit seiner Erhaltung sind aufgrund seiner Originalität, des besonderen Seltenheitswertes einiger Stücke und des generellen dokumentarischen Wertes in das Bewusstsein eines breiten Kreises von Sachverständigen sowie eines Teils der Bevölkerung eingegangen“. Das Studio habe in „besonderem Maße wissenschaftliche, aber auch heimatgeschichtliche Bedeutung“ …sind die Gründe der Stadtverwaltung das Studio in der Richthofenstraße 1 unter Denkmalschutz zu stellen.

Der Sohn des Musikproduzenten und Studiobetreibers Hans Georg Brunner-Schwer, Mathias Brunner-Schwer und Jazzkritiker und Produzent Friedhelm Schulz. freuen sich über die Entschiedung. Die beiden Herren haben sich des MPS Erbes angenommen und verwalten und vermarkten den musikalischen und ideellen Nachlass von Hans Georg Brunner-Schwer. Erste Aktion ist der am 24./25. September stattfindende Verkauf von einigen tausend Schallplatten aus der MPS-Produktion, die in den Studioräumen noch originalverpackt gelagert sind. Bei dieser Gelegenheit wird Wolfgang Dauner vor Publikum zwei Livemusik-Einspielungen im Studio vornehmen.

Wird dieses Wochenende ein finanzieller Erfolg, wollen Brunner-Schwer und Schulz weitere Aktionen starten, um den „kulturellen Schatz, der im Dornröschenschlag lag, wachzuküssen“ (Friedhelm Schulz). Ihre Vorstellung: „Wir wollen ein lebendiges Kulturdenkmal!“ Das heißt: In den ehemaligen MPS-Räumen sollen wieder verstärkt Tonaufnahmen gemacht werden. Das erhofft sich zumindest Mathias Brunner-Schwer. Ein Großteil der Technik ist nach wie vor funktionsfähig. Er denkt vor allem an Klassik oder Jazzaufnahmen, ist aber auch offen für andere Musikstile. Nur an der Qualität der Aufnahmen, die einst den Ruf des Studios begründeten, dürften keine Abstriche gemacht werden.

Brunner-Schwer und Schulz können sich vorstellen, das Haus auch für Führungen, Konzerte, Ausstellungen und weitere kulturelle Veranstaltungen zu öffnen. Im Herbst soll im Studio auch die neue CD präsentiert werden, die die Pianistin Henriette Gärtner im Frühjahr vor Ort eingespielt hat. Auf diesem Weg wollen Brunner-Schwer und Schulz voranschreiten. Das Studio soll, so hoffen sie, mittelfristig „zum festen Bestandteil des örtlichen Musik- und Kulturlebens werden“.

Mehr Infos unter www.mps-villingen.de

 

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