Jazzsplitter 13.01.2009

Kaum ins neue Jahr gerutscht, das Hirn noch von arktischer Kälte – die hoffentlich wenigstens der dreckigen Schneckenbrut im Garten den Garaus macht – halbgefroren, gibt es schon wieder gute Nachrichten aus der Jazzwelt: „Die heilsame Wirkung von Jazz“, die wird beim zweiten medizinischen Fachsymposium der jazzhead! 2009 in Bremen beleuchtet.

"Energie durch Improvisation – Präventive und medizinische Aspekte impulsiver Musik" so lautet der exakte Titel der Veranstaltung, zu der sich Ärzte, Psychologen, Musiktherapeuten und Musiker in traulicher Einheit zusammen finden, um dem staunendem Publikum ihre Erkenntnisse zu präsentieren.

Nun, aus dem richtigen Leben, so mit Augenrollen und flinker Flucht von Familienmitgliedern, wenn Papa die Jazzpretiosen durch die Räume schallen lässt, kann ich die heilsame Wirkung des Jazz nicht wirklich nachvollziehen. Aber vielleicht ist „impulsive Musik“ ja auch was ganz anderes und ich weiß nur mal wieder nicht um was es überhaupt geht. Vermutlich werde ich es auch gar nicht erfahren, weil „impulsive Musik“ irgendwie merkwürdig klingt und Bremen weit ist.

Vielleicht berichtet ein freundlicher Mensch vor Ort dem Jazzblogger, was es mit der heilsamen Wirkung so auf sich hat. Zumal es recht sympathisch, wenn der Leiter des Symposiums, Dr. Wolfgang Baumgärtner, neben seiner medizinischen Qualifikation eben auch ein „begeisterter Jazzmusiker“ ist – da wird der richtige Bock zum (Baum)gärtner gemacht. Und prinzipiell ist der Ansatz auch schön. Wie fein wäre es, die Grippe mit ein paar Takten Monk zu vertreiben und den Krebs durch fleißiges Hören von Albert Ayler schon im Vorfeld in die Flucht zu schlagen.

Die jazzahead! findet von Donnerstag, 23. April, bis Sonntag, 26. April 2009 statt. Das Symposium am Samstag, 25. April 2009, von 11.00 Uhr bis 18.00 Uhr, ist eine zertifizierte Fortbildungsveranstaltung der Ärztekammer mit Fachvorträgen, Podiumsdiskussion Workshops und Evaluierung bei begrenzter Teilnehmerzahl.

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Eine clevere Veranstaltung für clevere Nachwuchsmusiker, die es gleich auf ein Studium ankommen lassen wollen, bietet die Landesmusikakademie Berlin vom 13. bis 19. April unter dem Titel GIANT STEPS an. Claas Willeke (sax, Koordination), Nicolai Thärichen (p, Theorie), Christian Kögel (git), Daniel Oertel (voc), Tilmann Ehrhorn (sax), Horst Nonnenmacher(b) und Rainer Winch (dr) veranstalten eine Aufnahmeprüfungssimulation mit Bandarbeit, Einzelunterricht, Theorie, Präsentationstraining und einem Auftritt in einem Berliner Club.

Möglicherweise ist hier das Quentchen mehr an Routine und Know-How zu erwerben, das den Sprung auf die Hochschule gegen die Konkurrenz durchsetzt. Die Kursgebühr von 210,00 Euro sind im Erfolgsfall dann ein Schnäppchen. Und mit der ersten Hit-Jazz-CD einige Jahre später dann ja auch wieder zügig eingespielt…

Informationen und Online-Anmeldung

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Der Mann, der immer gern betont, dass er das überhaupt schwierigste Instrument spielt (recht hat er, der Jazzblogger spielte ja auch mal genau das:), die Trompete, bringt dieser Tage seine neue CD auf den Markt. „cruisen“ heißt das Werk von Thomas Siffling und seinem Trio mit Markus Faller (dr,perc) und Jens Loh (b). Siffling als Bonvivant des Jazzszene zu bezeichnen, wird ihn nicht beleidigen. Seine letzte Trioplatte war schon nicht nur für Jazz-Gourmets ein musikalischer Leckerbissen, sondern tatsächlich ein Konzeptalbum mit feinen Rezepten im Booklet, einer aufwendig gestalteten dazu passenden Website und Spezial-Kochschürzen die auf Konzerten zu erstehen waren.

Auf seiner neuen Platte widmet sich der Porschefahrer einer weiteren Passion: Schönen, schnellen Autos. Der Rezensent bekommt eine passende Parkscheibe zur Silberscheibe – sehr praktisch! und stimmt wohlwollend – und praktischerweise auf der CD akustisch das gewohnt hochklassige Trio mit seinem Leader, der sich auf dem Treppchen mit ganz wenigen Mitstreitern um Platz Eins streitet. Am 16.2. ist er im Freien Radio in meiner Sendung Jazzology live zugegen. Ich freue mich drauf und suche schon mal nach dem geeigneten guten Tröpfchen, das wir während der Sendung süffeln werden. Am 17.01. findet aber erst einmal das CD-Release Konzert in der Alten Feuerwache statt!

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Auch in diesem Jahr lese ich wieder mit Hingabe die Jahrescharts von Florian, der in seinem Blog 3,40 so elegant über CDs zu schreiben weiß, dass mir sogar bei Musik, die ich im Konzert nun gar nicht so toll fand der Mund wässrig wird. Lesen und inspirieren lassen!

 

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