Jazzsplitter 31.01.09

Uncool Festival Poschiavo

Ja, beim Uncool Festival hätte ich irgendwann
gerne einmal vorbeigesehen. Und zugehört.

Schließlich war ich überhaupt noch nie in der
Schweiz in einem Konzert, geschweige denn
bei einem Jazzfestival. Uncool in Poschiavo
/ Puschlav, im schweizerischen Graubünden,
lockte im Zwei-Jahresabstand immer
besonders heftig. 1999 aus der Taufe
gehoben, mit einem Cecil Taylor gewidmeten
Programm. In den folgenden Jahren mit
einem Herz fürs eher Experimentelle, Schräge,
Außenseitige. 2003 gewidmet dem aktuellen
Leiter des Sun Ra Arkestra Marshall Allen, der
beim Festival 2005 mit seinem Sun Ra Arkestra
zu Gast war…

Ein Festival mit Strahlkraft über enge Bergtäler
hinaus. Und 2009?

Da gibt es ein Schreiben der Organisatorin
Cornelia Müller, aus dem ich ein paar
Zeilen zitieren möchte:

"Mit dem Geld, das Uncool 2009 kosten würde,
können Sie sich zwei Minuten Irak-Krieg kaufen,
mit diesem Geld können Sie sich vielleicht einen
Monat Gemeindeverwaltung Poschiavo leisten…
Oder eben alle zwei Jahre ein phantastisches,
internationales, zeitgenössisches Festival mit
live Musik aus aller Welt. Ein Festival, das für vier
Tage musikalische Begegnungen ermöglicht mit
andersartigen Kulturen, mit Festivalmusikern, die
sich die Zeit nehmen für die Schüler/innen des Tales
aufzutreten, Workshops für sie anzubieten, einzuführen
in das Reich des Jazz, der Improvisierten Musik und
der Musik des Kosmos. Das Festival inspiriert, regt
zu eigener Kreativität an und bildet ein Pendant zur
südalpinen Schönheit des Puschlavs.

Wer drückt mir das Geld in die Hand uns sagt: Gut
mach so, mach mal weiter!? Oder soll das biennale
Festival… nicht mehr stattfinden?"

So sieht es wohl derzeit aus. Ein klaffende
Finanzierungslücke und eine Festivalleiterin
mit gutem Willen aber leider ohne Geld.

300.000 CHF kostet der Spaß. Ein Batzen Geld
und trotzdem – gerade in Zeiten, in denen
Fantastilliarden zur Stützung von Banken
ausgegeben werden und deren Vorstände
im Jahr ein vielfaches dieser Summe als
Boni in den Rachen geworfen werden  – kommt
einem der Betrag fast schon lächerlich vor.

Frau Müller beschreibt sehr schön den Nutzen,
den – abseits vom immateriellen, heilsamen und
horizonterweiternden Wert der Musik – ganz
faktisch auch die regionale Wirtschaft hat.

Neue Sponsoren in diesen Zeiten zu finden
wird schwierig werden – ein Verzicht auf diese
Perle der Festivallandschaft wäre ein Jammer.

http://www.uncool.ch

Der komplette Text von Cornelia Müller zu Lage des Festivals

Schreibe einen Kommentar