Jazzsplitter 4.10.2008

 War es Pech oder einfach kein Glück, dass der Fotograf der Rhein-Neckar-Zeitung den Schirmherrn des Enjoy Jazz Festivals, Michael Sieber und den Künstlerischen Leiter Rainer Kern nicht auf ein Bild bekam? Halb so schlimm und Schwamm drüber sollte man meinen aber außerordentlich wohlmeinend wurde das Foto mit einem Kommentar im Textteil verbessert: "(hinter ihm verdeckt Intendant Rainer Kern)". Und das entbehrt nicht einer gewissen Komik. Zwar konnte der Kenner Kern am lockigen Haar erkennen, das keck hinter Herrn Sieber hervor lugte aber vielleicht wäre es noch schöner gewesen einen geschlossenen Vorhang zu zeigen, hinter dem verdeckt die beiden Protagonisten das Festival eröffneten. 

Für all jene, die wissen möchten wie beide Herren aussehen – Bitte schön, ein Service des Jazzbloggers:

Michael Sieber & Rainer Kern bei der Enjoy Jazz Eröffnung 2008

Aber ich mag die Rhein-Neckar-Zeitung heute nicht schelten. Denn sie begleitet erfreulich engmaschig das Festival und oft noch kompetent dazu. So findet sich in der gleichen Ausgabe, im Feuilleton sogleich eine schöne Konzertkritik von Rainer Köhl inklusive eines feinen Coleman-Fotos von Manfred Rinderspacher. Also nichts zu meckern 😉

Es könnte natürlich auch so sein – und  das wäre dann schon wieder eine famose Tat – dass der Kollege mit diesem Bild eine subtile Kritk an den Photo-Verhältnissen bei Enjoy Jazz üben wollte. Der Festival-Erfolg frisst so langsam die Photographen-Kinder. Die Photomöglichkeiten werden zunehmend – das ist nicht nur bei Enjoy Jazz ein Thema – eingeschränkt. Bei den "großen Namen" des Jazz war es bereits in den vergangenen Jahren typisch, dass nur beim ersten oder maximal zwei Stücken photographiert werden durfte. Sehr freundlich von den Veranstaltern angeordnet und nicht minder freundlich noch einmal vom ehrfurchtgebietenden Coleman-Roadie auf Englisch, kurz vor Beginn von der Bühne herab. Der addierte noch die Regel "Keine Frontalaufnahmen, nur brav von der Seite" – nun gut, Herrn Colemans Profil gibt das her.

Auf dem diesjährigen Photopass des Festivals ist die Regel "Photographie während der ersten beiden Stücke" als Standard vorgesehen. Als Photograph wünsche ich mir natürlich eine gelegentlich großzügigere Auslegung, denn zu guter Jazzphotographie gehört nun einmal auch das Beobachten, das Warten auf den richtigen Augenblick und der findet sich eher selten während der ersten beiden Stücken des Abends. Absurd wird die ganze Sache, wenn die professionellen Photographen brav das Feld räumen und die Handyknipser fröhlich durch die Gegend blitzen – aber wer will diese Meute schon bändigen…

Tagestipp für den 4.10.2008 ist das sicherlich sehr interessante JFK-Projekt von Die Redner in der Alten Feuerwache (deren Projekt kommt dieser Tage auch bei den Kollegen von Jazz’n’Arts mit DVD und Buch heraus!) und am Sonntag lockt ebenda das Barry Guy New Orchestra – verstärkt mit Elliot Sharp an der Gitarre.

Und am Dienstag die Enjoy Jazz Pause. Bitte!

Wer nicht wirklich unbedingt zu Julia Hülsmann in den Karlstorbahnhof gehen muss, zeigt sich stattdessen in Mannheim in der Klapsmühl beim CD-Release Konzert des Ditzner Lömsch Duos, welches der Jazzblogger nicht ganz uneigennützig in diesem Blog anpreist 😉

 

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