Kölner! William Parker in Köln am 18./19.11.2010

William Parker - Photo: Frank Schindelbeck
Urheberrecht Photo William Parker: Frank Schindelbeck / www.jazzphotography.eu


DIALOG – ein zeitgenössisches Tanzprojekt

Improvisation über die Grunderfahrung des Fremdseins

präsentiert von 687 performance, Köln

mit André Jolles, Dawa Mafunga, William Parker

18. und 19. November 2010
Premiere im neu eröffneten Rautenstrauch-Joest-Museum, Köln

Köln – Am 18. und 19. November 2010, jeweils 20.00 Uhr, präsentiert 687 performance, Köln, das zeitgenössische Tanzprojekt DIALOG im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum. Tänzer André Jolles, Deutschland, Tänzerin Dawa Mafunga, Mosambik, und Bassist William Parker, USA, begegnen sich mit ihren jeweils unterschiedlichen Improvisationskonzepten im Erfahrungsfeld »Fremdsein«: eine trilaterale Zusammenarbeit urbaner Künstler aus Afrika, USA und Deutschland.

Die Performance wird anschließend in einem Publikumsgespräch mit den teilnehmenden Künstlern und den Gästen reflektiert. Es moderiert Sozialpädagoge und Radiojournalist Guy N. Fraser aus Washington DC.

Jolles, Mafunga und Parker setzen ihre eigenen persönlichen Erfahrungen des Fremdseins in Bezug mit dem großen Feld des ANDERSSEINS, denn: Jeder, der seine eigenen Bereiche verlässt, ob freiwillig oder unter Zwang, aus persönlichen oder politischen Gründen, jeder, der nicht der Norm der herrschenden Mehrheit entspricht, ist fremd, ist anders. Eine Erfahrung, die traumatisieren kann, befruchten, töten oder befreien.

Auch wenn die Inszenierung sich klar im politischen Feld der Globalisierung positioniert, steht doch die emotionale Erfahrung des einzelnen Menschen im Vordergrund. Die Motivation der Tänzer und des Musikers, sich mit sehr persönlichen Aspekten ihrer Geschichte in diesem Projekt zu begegnen, wird vielleicht am treffendsten mit den Worte des schwarzen Jazzkomponisten und Bassisten Charles Mingus wiedergegeben:

»(…) It’s not a question of colour anymore, it’s above that. I mean it’s getting more and more difficult for man to just love. And fewer men are making a real effort to find exactly who they are and build on that knowledge. Most people are forced to do things they don’t want to all the time, and they get to the point where they feel they no longer have any choice. We create our own slavery, but I´m going to get through and find out the kind of man I am – or die.«
Charles Mingus, 1972

Wie ihm geht es den drei Künstlern um die Möglichkeit, sich vor ihrem jeweiligen kulturellen, geografischen und geschichtlichen Hintergrund die Fähigkeit zu einem freien und selbstbestimmten Leben zu bewahren und in ihrem ANDERSSEIN respektiert zu werden.

Ein Projekt mit großer Strahlkraft. Mit einer Wirkung, die Aspekte des Fremdseins hörbar, sichtbar und spürbar macht.

Akteure

André Jolles: Tänzer und Choreograf im experimentellen Bereich des Zeitgenössischen Tanzes mit Arbeitsbasis im Kunsthaus Rhenania, Köln. Jolles erarbeitete die beiden Choreografien KUZAKA (2007) und EXPERIÊNCIA (2009) mit der Companhia Nacional de Canto e Danca, Maputo/Mosambik. Tanz- und Musikstudium an der Folkwang-Hochschule, Essen, Ausbildung als Lehrer der F.M. Alexander-Technik.

Jolles entwickelte im Verlauf seiner Recherchen zum Thema Tanz und seiner Möglichkeit des authentischen Dialogs (Improvisation) mit Musik eine komplexe Methode: Sie geht von der Auffassung aus, dass jede unserer Aktivitäten in der Wahrnehmung des Kontakts zur inneren Physis und der des umgebenden Raums stattfindet und von dieser Wahrnehmung gelenkt wird. Er orientiert sich dabei an seinen Beobachtungen und den eigenen Erfahrungen im Zusammenspiel von Jazz- und Improvisierenden Musikensembles. Jolles verbindet Aspekte der musikalischen Wahrnehmung mit Vorgängen der Biomechanik wie Atmung und Pulsation, der Funktion des Skeletts, Countermovement, Stretch-Shortening Cycle und dem komplexen menschlichen Wahrnehmungssystem.

Dawanivéria Mafunga: Choreografin und Tänzerin diverser Stile: Modern, Klassisch, Traditionell, Zeitgenössisch und Afro-Fusão Digressões. Vokalistin für Klassisch, Gospel und verschiedene afrikanische Traditionen. Teilnahme an Rechercheprojekten in Mosambik über traditionellen Tanz und traditionelle Musik. Unterrichtende Tätigkeit in polyvalenten Projekten.
Seit 1996 Ensemblemitglied der Companhia Nacional de Canto e Danca, Maputo/Mosambik. 1997–2000 Zusammenarbeit in mehreren Projekten mit Linda Davis, Jawole Jo Zollar von Urban Bush Woman/AmericanDanceFestival. Co-Autorin und Tänzerin in verschiedenen Tanzstücken mit Augusto Cuvilas. Teilnehmerin in Austauschprojekten und auf Tourneen, u. a. in Brasilien, Tansania, Zimbabwe, Südafrika, Portugal, Dänemark und Deutschland.

William Parker: Improvisierender Musiker aus New York City, seit Jahren einer der gefragtesten Top-Free-Jazz-Bassisten der internationalen Szene. Ein Kritiker der LA Weekly, der über die Kompositionen und den musikalischen Stil des afroamerikanischen Musikers schrieb, meinte, er habe selten jemanden getroffen, der so viel Idealismus und Menschlichkeit besitzt. In der New Yorker Zeitschrift The Village Voice heißt es: »Während seiner Konzerte kann die Kombination aus elementarer Kraft und mitreißender Großzügigkeit dem Zuhörer ganz schön unter die Haut gehen.« Das kanadische Jazzmagazin Coda charakterisierte ihn mit der treffend knappen Formulierung: »William ist einfach einer der größten lebenden Bassisten.« Parker ist Vater und Hohepriester der New Yorker Downtown Szene. Seine Allgegenwärtigkeit und seine schier unerschöpfliche Energie sind geradezu eine Herkulesleistung. Auf den Punkt gebracht: William Parker gilt in der Szene nicht ohne Grund als The Man.

»Living in this world, whether it be America or Africa or Norway, can be hard. Being a jazz musician living in this world may be even harder. Charles Mingus, the late bassist and sound organizer, found it hard to be Mingus, and it probably would have been hard to be Charles Mingus no matter what he did. As James Baldwin once said: ‚Take away the black, and it is still difficult just being James living in this world.’ Being black only compounds certain problems. Learning to live and be a total human being can take a lifetime.«
William Parker, 2008

Claus Dieter Geissler: Fotograf und Bühnenbildner, realisiert das Licht- und Bühnenkonzept. Seit über 30 Jahren fotografiert er mit Fokus auf Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Unbeeindruckt von Strömungen und Referenzen der Kunstszene hat Geissler seine ganz eigene Bildsprache gefunden. Durch Reduktion wird eine Verfremdung und Konzentration des Ästhetischen erreicht; extreme Minimalisierung bewusst eingesetzt, um sich dem herrschenden Zeitgeist von Konsum und Überfluss entgegenzustellen. Mit seinem Bühnenbild schafft er einen Kontext, der auch auf afrikanischen Bühnen spielbar bleibt.

Guy N. Fraser: US-amerikanischer Sozialpädagoge und Radiojournalist mit Schwerpunkt Improvisierte Musik und deren soziokulturelle Aspekte. Zahlreiche Interviews mit Musikern, vor allem aus NYC, Baltimore und Washington DC für seinen Sender WPFW 89,3 Washington CD, Beratender Redakteur für Publikationen im Bereich Improvisierte Musik. Moderiert das Publikumsgespräch mit den teilnehmenden Künstlern nach der Premiere von DIALOG im Rautenstrauch-Joest-Museum am 18. und 19. November 2010.

http://www.687performance.de

English info:

William Parker performs
with contemporary dance project in Cologne

DIALOG – A contemporary dance project

Improvisation on the experience of being foreign

presented by 687 performance, Cologne

18th & 19th November 2010
PREMIER AT THE RAUTENSTRAUCH-JOEST-MUSEUM, COLOGNE, GERMANY

Cologne – At 8 p.m. on the 18th & 19th November 2010, 687 performance will present the contemporary dance project DIALOG at the Rautenstrauch-Joest Museum in Cologne. Dancers André Jolles (Germany) and Dawa Mafunga (Mozambique), as well as bass player William Parker (USA), will come together and improvise on the experience of “being foreign“. Following the performance, a panel discussion, featuring the artists in dialog with the audience and each other, will be moderated by African-American social pedagogue and radio journalist Guy N. Fraser.

The artists display their personal experiences with foreignness amid the grand scope of BEING DIFFERENT, because everyone who leaves their own area, either willingly or by force, for personal or political reasons, those who don’t conform to the rule of the prevalent majority, are foreign, aredifferent. An experience that can traumatize, inspire, kill or liberate.

Although the production is clearly juxtaposed within the politics of globalisation, the emotional experience of the individuals stands in the foreground. The motivation of the artists to infuse their stories, that include very personal aspects, within this project, is perhaps most aptly rendered through the words of African American jazz composer and bassist Charles Mingus:

»(…) It’s not a question of colour anymore, it’s above that. I mean it’s getting more and more difficult for man to just love. And fewer men are making a real effort to find exactly who they are and build on that knowledge. Most people are forced to do things they don’t want to all the time, and they get to the point where they feel they no longer have any choice. We create our own slavery, but I´m going to get through and find out the kind of man I am – or die.«
Charles Mingus, 1972

For the three artists this is about the possibility of retaining their ability to lead uninhibited and independent lifes in the light of their respective cultural, geographical and historical backgrounds, and to become respected for their OTHERNESS.

The dance piece will be performed in Cologne, Bielefeld and Mozambique. Rehearsals are advertised as "Residencies", to make the project accessible and open for participation of professional dancers. Protagonists on the local dance scene are enabled to grapple with the project's developmental process, its applied techniques and the culture of the artist in charge. As part of the project and with the partner
’KoordinierungsKreisMosambik’ (Mozambique co-ordination circle), an educational module for
school groups of up to 30 children and young people will be presented in Germany and Mozambique.

A project filled with charisma, and with the impact of making aspects of being
foreign audible, visible and resounding.

http://www.687performance.de

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