Mein Lieblingsleserbrief

 

…ist mir heute beim Aufräumen wieder einmal in die Hände gefallen. Als 1991 Miles Davis gestorben war, erschien im Spiegel seinerzeit ein Nachruf von Jürg Laederach, der schon außergewöhnlich armselig und kenntnisarm war und in der "Erkenntnis" gipfelte "…klang Miles Davis, nebst dem verdammt Gläsernen, was er an sich hatte, ähnlich wie einer, dem zwischen Dämpfer und Schallbecher noch ein kleines Kind reingekrochen ist und in erbarmungswürdig verzerrten hungrigen Schreien halblaut wimmert."

In der darauf folgenden Woche konnte man dann erfreulicherweise lesen:

"Es stirbt Miles Davis, der bedeutendste Jazzmusiker des Jahrhunderts. Warum in aller Welt muß der eitle Quatschkopf Jürg Laederach, ein ebenso verwirrter Schreiber wie erbärmlicher Saxophonist, dem Miles Davis ins Grab spucken? Vom SPIEGEL hätte man einen angemessenen Nachruf erwarten dürfen.

Stuttgart Wolfgang Dauner
München Klaus Doldinger
Wiesbaden Volker Kriegel
Frankfurt/M. Christof Lauer
Frankfurt/M. Albert Mangelsdorff
Berlin Alexander von Schlippenbach
Köln Manfred Schoof
München Siggi Schwab
München Eberhard Weber"

Man darf getrost davon ausgehen, daß diese Herren allemal besser beurteilen konnten, wer sich da von der Erde verabschiedet hatte. Und daß sie mit mehr als einem Schulterzucken reagiert haben machte sie mir damals noch sympathischer…

 

 

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