Enjoy Jazz Matinee: Michael Wollny

 

Michael Wollny - Foto photo Schindelbeck

Michael Wollny beschloss gemeinsam mit Jürgen Linke (Frankfurter Rundschau)
die diesjährige Matinee-Reihe im SAS-Institute in Heidelberg. Man darf an dieser
Stelle einmal ein deutlich hörbares  "Danke schön" Richtung SAS werfen.

Abgesehen davon, dass das Unternehmen mittlerweile im dritten Jahr
Hauptsponsor des Rhein-Neckar Jazzfestivals ist, gehen die
Matinee-Veranstaltungen noch einen Tick über das typische
Sponsoring hinaus. Enjoy Jazz gehört mittlerweile
zur SASschen Firmenkultur, was sich auch daran zeigt, dass
die Betreuung der Gäste am Sonntag morgen als freiwillige
Unterstützung durch SAS-Mitarbeiter geleistet wird.

Die Wollny Matinee stand unter dem Titel "Musik und Alter". Ein etwas
räteslhafter Titel, der im Kontext mit dem jugendlich wirkenden Wollny
schon im Vorfeld nicht  so recht einleuchten wollte. So wurde auch im
Gespräch zwischen Linke und Wollny das Motto recht schnell beiseite
gewischt und letztlich ging es um Wollnys Einflüsse von der
Deutschen Romantik (Schubert) bis hin zur Musik von Björk.

Dass Wollny eher in der Tradition der klassischen Musik zuhause ist als in
der Jazz-Geschichte, das weiß jeder, der in seine Konzerte geht und seine
Aufnahmen kennt. Folgerichtig mag er zwar "filed under jazz" sein aber für
sich selbst sieht er dieses "Label" bestenfalls teilweise angebracht.

Jazz ist für ihn eher eine Haltung als eine stilistische Festlegung. Wobei
er natürlich die Freiheit zu schätzen weiß, die sich im Jazz-Kontext ergibt.

Interessant waren seine Anmerkungen zu Improvisation und ausnotierter
Musik in verschiedenem musikalischem Kontext. Während in seinem Trio
[em] eher ausnotierte Musik gespielt wird (mit "morphing"-Sequenzen,
Übergängen, die auf ein bestimmtes Ziel hin relativ frei gespielt
werden) ist die Musik in seinem zurecht viel gerühmten Duo mit dem
Saxophonisten Heinz Sauer fast gänzlich frei improvisiert. Ein paar
Akkorde aus dem real book und ab geht es ins musikalische Abenteuer.

Es ist diese Mischung aus Informationen aus erster Hand, kleinen Anekdoten
aus dem Musikerleben und den Einblicken in die Beweggründe und
Einflüsse (Filme, u.a. vor allem Herzog bei Wollny) die
die Matinee-Reihe von Enjoy Jazz so interessant machen. 

Man kann nur hoffen, dass diese Enjoy Jazz Veranstaltung
auch im kommenden Jahr fortgeführt wird.

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