Neil Cowley Trio

 

 

Hätte ich den Artikel des klugen Musikkritikers Ulrich Kriest im Handout* zum Konzert des Neil Cowley Trios früher in die Finger bekommen, wäre ich möglicherweise misstrauisch geworden. Konnte man dort doch lesen: "Man kann sich vielleicht streiten, ob (der Verzicht auf die Präsentation traditioneller Virtuosität) freiwillig ist oder der Not gehorcht" oder "melodische Einfälle werden gern repetitiv augekostet". Und so war es denn auch. Nur schlimmer. Wenn auch möglicherweise nur in den verwinkelten Gehörgängen des Jazzbloggers. Der schreibt bekanntlich subjektiv und mit keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

Was er am abend hörte? Triviales Zeugs. Richard Clayderman goes Brachial-Jazz. Ein Phrasendrescher vor dem Herrn. Man sollte nicht nur einfältige Themen präsentieren, sondern die wenigstens bis zum Erbrechen wiederholen können. Gern auch zur Steigerung der Spannung mal eine Oktave nach oben versetzt, nochmals wiederholt, und einen Hauch lauter – noch nicht genug vom läppischen Thema: hier kommt es nochmal und nochmal… und wenn das nicht reicht, wird das ganze mit reichlich Pedal-Einsatz hochgejazzt. Das mag Konzept sein – die neue CD trägt den Titel "Loud, Louder, Stop" – vielleich auch ein nettes, mal für ein Werk, aber es trägt kein Konzert.

Natürlich weiß auch Herr Cowley, dass die vermeintlich wilde Musik eines Gegenparts bedarf und so wird’s in jedem dritten Stück etwas lyrisch. Nicht wirkliche Balladen mit Hand (oder Herz) und Fuß. Aber halt! Schon mit Fuß, denn Lyrik und tiefes Gefühl werden reichlich mit dem Hall-Pedal umwattet. Ansonsten auch hier: Eher triviale Themen mit Hang zum Kitsch.

An diesem Abend hatte ich das vage Gefühl, dass hinterm Bühnenvorhang Hape Kerkeling lauert, der nur darauf wartet mit einem kräftigen "Hurz" die Bühne zu entern um dem trüben Treiben ein befreiendes Ende zu bereiten. Oder wenigstens hätte das kleine Mädel im Publikum aufstehen mögen um zu rufen: "Der Kaiser ist ja nackt"

Möglicherweise war’s ja so – der böser Rezensent hatte sich während des zweiten Sets schon von dannen gemacht. Vielleicht war es am Ende doch ganz anders. Der jazzkundige Bruder des Bloggers war jedenfalls schon erheblich milder – wenn auch eher kritisch – in seinem Urteil und das Publikum schien den Musikanten durchaus wohlgesonnen.

 
*Übrigens auch eines der netten Details bei Enjoy Jazz: Zu jedem Konzert wird ein Flyer mit einem kurzen Text aus der Feder eines rennomierten Jazzkenners verteilt.

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