Neuer Deutscher Jazzpreis – Die Gewinner

 

Man weiß nicht recht, ob es an den exquisiten Anzügen und den dazu passenden Krawatten,
am Charme des zwischen dem jungen Helge Schneider und Kurt Cobain changierenden
Bandleaders oder letztlich doch in erster Linie an der erfrischendsten Musik des Abends lag…

Sieger des Neuen Deutschen Jazzpreis Mannheim 2008 wurden jedenfalls Klima Kalima
mit Kalle Kalima (g), Oliver Potratz (b) und Olli Steidle (dr).

Letzterer – und hier kann es dann doch in erster Linie nur am Helge-blauen Anzug gelegen
haben – oder vielleicht doch an der traditionellen Freundlichkeit der Mannheimer gegenüber
Schlagzeugern  – räumte auch noch den Solistenpreis ab.

Gratulation!

 

Zweiter wurden Spaniol4 vor Lars Dupplers Alliance Urbaine.

So sehen Sieger aus: Prima Kalima, Träger des Neuen Deutschen Jazzpreis Mannheim 2008

Kalle Kalima - Foto Schindelbeck

Kalle Kalima

Oliver Potratz - Foto Schindelbeck

Oliver Potratz

Olli Steidle - Jasper van t'Hof - Foto Schindelbeck

Kurator Jasper van’t Hof – Solistenpreisträger Olli Steidle

Peter Kurz, Oberbürgermeister Mannheim verkündet Sieger Neuer Deutscher Jazzpreis 2008 - Foto Schindelbeck

Oberbürgermeister Peter Kurz verkündet die Preisträger

Prima Kalima nach der Preisverleihung: Wie werden die 10.000 Euro Preisgeld verbraten?

 

 

Vervierfachte Zuschauerzahl, eine volle Alte Feurwache, ein Publikum,
daß für die Preisverleihung fast vollzählig bis nach Mitternacht ausharrte.
So sieht eine erfolgreiche Veranstaltung aus.

Den IG-Jazz Machern des Festivals ist damit im dritten Jahr ganz
offensichtlich der Durchbruch gelungen – der Einsatz dafür war
allerdings auch beträchtlich. Es lag weniger an der angekitschten
Glastrophäe als vielmehr an der Arbeit hinter den Kulissen,
optimierte Abläufe in der Vorauswahl, eine ziegenauere
Pressearbeit, vielleicht auch an neuen Elementen, wie
hollywoodartig choreographierten Ansagen über angejazzten
Fanfaren bei der Preisverleihung. Insgesamt ein Zugehen auf den
Geschmack eines breiteren Publikumskreises. Der zählbare Erfolg
gibt den Organisatoren recht.

Die Gewinner des Abends passen schließlich auch zum Konzept.

Das Trio hatte im wahrsten Sinne leichtes Spiel gegen die Konkurrenten.
Auf der einen Seite lässig präsentierter, pop-orientierter Gitarrenjazz mit
einem Kalle Kalima, der das Publikum schon mit der ersten Ansage
im Griff hatte, auf der anderen Seite die typischen Vertreter von
Jazz-Club Jazz. Mainstream mit durchaus hörenswerten individuellen
Tönen aber tatsächlich viel zu brav auf einer Bühne, bei der ein
Publikumspreis vergeben wird. Das fehlt dann schlicht ein Quentchen
an Taktik, wenn zwei von vier Stücken Balladen sind oder
in einem kurzen Set gleich zweimal die Band vorgestellt wird –
das ist zwar sympathisch aber nicht wirklich zielführend bei einem
Publikum, daß zwar zu Jazz *Events* in Mannheim inzwischen
reichlich strömt, in einem kleineren Jazzclub aber niemals
gesichtet wird.

Das Kuratorenkonzept ist angesichts der drei Bands meiner
Meinung nach ebenfalls überdenkenswert. Betrachtet man
die Bands die auf der Strecke geblieben sind – wie zum Beispiel
Underkarl – dann wirken zwei Formationen auf der Bühne doch
einigermaßen schwach in punkto Originalität und Professionalität
(wohlgemerkt trotzdem auf hohem Niveau).

Da mag Herr van’t Hof charmant bemerken, daß die ihm vorgelegte
Auswahl von 12 Bands eigentlich alle auf die Bühne gehört
hätten, allein mit seiner mutigeren Auswahl hätte der
Jazzpreis im edlen Wettstreit erheblich gewonnen.

Zumal der Neue Deutsche Jazzpreis eben nicht als Nachwuchs- oder
Förderpreis gedacht ist, sondern für etablierte professionelle Bands.

Frank Sackenheim - Dietmar Fuhr - Foto Schindelbeck

 

 Frank Sackenheim - Schindelbeck

 


Dietmar Fuhr

Solistenpreis für den Schlagzeuger Oliver Steidle

 

 

 


Text & Fotos: Frank Schindelbeck

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