Nils Wogram Nostalgia Trio – Affinity

Nils Wogram Nostalgia Trio – Affinity

 

Der Ausschnitt eines Caspar David Friedrich Gemäldes
ziert das neue – zweite – Werk des Nostalgia Trios.

Posaunist Nils Wogram, der Hammondorganist
Florian Ross und Schlagzeuger Dejan Terzic haben beim
Label Intuition ihre musikalischen Ideen in die
elektronischen Rillen pressen lassen – das Werk
heißt "Affinity".

In einem angenehm in der Hand liegenden Digipak findet
sich der Silberling, der mit einem feinen Bild des
Trios bedruckt wurde. Bekleidet sind die Herren im
Stile englischer Gentlemen, speziell Florian Ross wäre
die Idealbesetzung für eine Sherlock Holmes Verfilmung.

"Geistesverwandschaft" also. Eigentlich hätte dieses
schöne deutsche Wort ganz exzellent diese CD geziert,
passend zum Bild und zur Musik. Aber wahrscheinlich
verhindern das die übereifrigen Marketingexperten
– schließlich will ja auch der englischsprachige
CD-Handel mit dieser CD überschwemmt werden.

Dabei steckt im Wort "Geistesverwandschaft" durchaus
das Zeug,  wie "Kindergarten" oder "Fahrenheit",
als "teutsches Wort" für sich in fernen Landen
zu bestehen.

Jetzt aber zur Musik. Das Titelstück "Affinity" gibt
die Grundrichtung der CD vor.

Wograms Trio spielt eine Musik, die auf Samtpfoten
daher kommt. Da schwingt europäische Musiktradition
ebenso und gleichberechtigt mit, wie klassischer, im
Hardbop wurzelnder Jazz.

Wograms Posaunen-Linien fließen gewohnt elegant-lässig
dahin. Ohne pathetisches Vibrato und vor allem eminent
swingend über den langgezogenen Akkorden von Florian Ross‘
Hammondorgel – mal sacht, mal energisch umspielt
von Terzics Schlagwerk.
Ross‘ umhüllende Hammondorgel-Akkorde haben etwas
einlullendes – die geeignete Untermalung für einen
Spaziergang im dämmrigen Wald des Titelbilds.

Rückgriffe auf Bekanntes, Altes ziehen sich durch
die gesamte CD, allerdings immer wieder gebrochen
und neu zusammengesetzt. An jeder Ecker lauert eine
Wendung und ein neuer Dreh.

So entsteht eine einzigartige Mischung, die
aus bewußt Sakralem – "Hope" kommt daher wie eine
Choralpartita von Bach – brodelnd Swingendem wie
"Rocky Beach" und ins Freie Ausuferndem
besteht, wie es sich in "Clash" hören lässt, wenn
Florian Ross wie von der Leine genommen auf der
Hammond-Orgel seine Akkorde durch die Gegend wirft.

"Nostalgisch" mag der Blick auf die Wurzeln der
Musik des Trios sein – dem Zuhörer wird rasch
klar, daß dieser Ansatz nichts rückwärtsgewandtes
an sich hat. Hören und genießen.

 

 

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