Randy Weston

 

Ich hatte folgenden Artikel im Vorläufer-Blog von jazzblogger geschrieben aber weil nichts schneller verschwindet als in den Untiefen des Internets hole ich ihn noch einmal hervor. Während hier gerade Zep Tepi läuft und ich gerade mal so begeistert bin, von diesem Scheibchen, wie vor einem Jahr. Und das auch im Vorgriff auf Enjoy Jazz 2007, das hoffentlich ähnlich bereichernde Konzerte in diesem Jahr präsentieren wird…

 

Dieses Konzert war ein Geschenk. Randy Weston mit seinem African Rhythm Trio, bestehend aus Randy Weston am Flügel, Alex Blake am Bass und Neil Clarke an den Percussion-Instrumenten. Ein Geschenk von einem achtzigjährigen Musiker, der sich tatsächlich nach Mannheim aufmacht, in die Feuerwache, um vielleicht 160 Menschen seine Musik vorzuspielen. Kein neu erfundener Stil, keine Zäsur der Jazzgeschichte an diesem Abend.


Stattdessen das Können und der unverwechselbare Stil eines der ganz Großen des Jazz, der gänzlich unprätentiös das spielt, was er seit einem halben Jahrhundert spielt: Jazz – von Monk inspiriert mit afrikanischen Rhythmen akzentuiert. Das ganze Register des Flügels ausnutzend, prägend die leichthändig gepingelten Noten im hohen Register, konterkariert mit den mächtig hingeschlagenen Akkorden der Linken – und über allem diese Leichtigkeit des fließenden Rhythmus. Ja, gehört hat man das schon auf Aufnahmen aus den 60er Jahren, das aktuelle Trio variiert, raffiniert und bringt diese Musik zeitlos und schön auf die Mannheimer Bühne. Eine zutiefst menschliche Musik, voller Klarheit und Tiefe.


Man hört diese Musiker fast mit etwas Wehmut, weil man ahnt, daß mit der Generation Randy Westons eine Jazzmusiker-Generation aussterben wird, die eine ganz eigene Bühnenpräsenz entwickelt. Wer den 80-jährigen Weston erlebt, wie er mit offensichtlicher Freude am Konzert spielt und mit dem Publikum voller Herzlichkeit und – ja Dankbarkeit, man glaubt es kaum, umgekehrt sollte es sein – spricht, dem muss im Vergleich der Großteil aktueller Jazzmusik kalt und unnahbar erscheinen.




Danke für diesen wundervollen Abend an Randy Weston, Alex Blake und Neil Clarke – und auch an die Organisatoren von Enjoy Jazz, die dieses Ausnahme-Konzert ermöglichten.


PS: Von der aktuellen CD dieses Trios „Zep Tepi“, erschienen bei Random Chance bin ich schlichtweg hingerissen, auch beim zweiten Hören nach Mitternacht. Ein Meisterwerk – lange Ausschnitte daraus in der nächsten Jazzology Sendung am 13.11.06 um 21 Uhr – auch übers Internet empfangbar… [Tja, das ist nun leider wirklich nicht mehr aktuell ;-)]

 

Und zur Ergänzung:

Der atemeraubende Alex Blake – auch zu sehen in der Enjoy Jazz Fotoausstellung… – ist hier in einem kurzen Videoclip zu sehen:

[youtube Y1tp5ie1l3s]

 

Zu Randy Weston finde ich leder keinen Clip. Kann das wirklich wahr sein?

2 Gedanken zu „Randy Weston

  1. Mittlerweile bin ich der absolut festen Überzeugung, dass der Gig von Randy Weston’s African Rhythm Trio auch der Höhepunkt des diesjährigen North Sea Jazz Festivals war. Was die drei Herren da abgeliefert haben, war einfach grandios. Ich glaube, während dieses Konzerts war ich völlig in Trance ;O) Großartig ist in der Tat auch „Zep Tepi“, das bei mir seitdem in Heavy Rotation im Auto läuft.

  2. Das freut mich zu lesen – hätte jetzt nicht unbedingt erwartet, daß dieses Trio so genau deinen Geschmack trifft. In Mannheim war das im vergangen Jahr eines der weniger gut besuchten Konzerte, man mag es ja kaum glauben, aber alles was nicht aktuell hochgejazzt wird oder wirklich sehr bekannt ist, zieht im Jazzbereich manchmal ein wirklich trauriges Häuflein Publikum. Randy Weston bleibt jedenfalls eines der Konzerte, an das man sich auch noch zwanzig Jahre später erinnert- wenn man bis dahin nicht gerade in Alzheimers Armen gelandet ist.

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