Sternstunde: Heinz Sauer und Michael Wollny in Heidelberg bei Enjoy Jazz

 

 

Heinz Sauer und Michael Wollny erhielten den von Rheinland-Pfalz und dem SWR gestifteten Jazzpreis 2008 – Bilder vom Preisträgerkonzert des SWR Jazzpreis 2008 in Mainz finden sich hier

Heiser klingt Heinz Sauers Ton. Wenn er auf seinem Tenorsaxophon "Don’t Explain" spielt, dann flößt er diesem Standard mit seinem Horn ein Leben ein, wie nur Billie Holiday selbst es konnte. Fast gehaucht zarte Töne bewegen sich in diesem Song, vehalten überblasene Schreie und die Brüchigkeit des Saxophonklangs. Vom richtigen Musiker gespielt kommt dieses Instrument der menschlichen Stimme am nächsten. Besonders der von Billie Holiday.

Es gibt keine Überflüssigkeit in Heinz Sauers Spiel, es gibt auch kein Spiel um des Spiels Willen – keine technischen Kunststückchen, keine rasanten Läufe durch die Skalen. Stattdessen eine fast tastend-suchende Tonfindung. Nur wenige Saxophonistenhaben haben derart markant ihren eigenen Sound entwickelt. Nein, es ist nicht nur der Ton, sondern die Haltung, der Stil, der Heinz Sauer sofort erkennbar macht. Es ist seine Art Melodien auf das Essenzielle zu reduzieren, sie von jeglichem Ballast oder Ornament zu befreien.

Heinz Sauer wird Ende des Jahres 75 Jahre alt und er wird mit Michael Wollny von einem Pianisten begleitet der nicht einmal 30 Jahre alt ist. Es klingt schon fast unglaublich, wie gut die beiden Musiker harmonieren. Michael Wollny spielt mit und für Sauer eine selbstbewußte, lakonische Begleitung. Tupft zu Sauers Saxophon weiche Akkorde, spielt Single Notes mit der Rechten, die Umspielen und Raum schaffen für die gewundenen Saxophonpfade. Viele der Stücke enden ganz abrupt. Das Wesentliche ist gesagt und Punkt. Und die Musik spielt weiter im Kopf.

Nachzuhören:

Heinz Sauer, Michael Wollny – Melancholia
erschienen bei ACT

 

 

 

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