NONEUCLIDIA – Hommage an Mo Edoga am 9.12. in Mannheim mit Erwin Ditzner

Claus Boesser-Ferrari + Erwin Ditzner - Foto: Manfred Rinderspacher

Der Mannheimer Kunstverein lädt ein zur Sprach- und Musikperformance mit den Musikern Erwin DitznerClaus Boesser-Ferrari und dem Textkünstler Bruno Nagel, zu Ehren von Prof. Mo Edoga. Anschließend: Laszlo Feher

Mo Edoga wurde 1952 in Nigeria geboren. Er studierte in Heidelberg Medizin und praktizierte als Neurochirurg in Johannesburg. 1982 zog er nach Mannheim, wo er rasch durch sein Schwemmholzkunstwerk »Vater Rhein und Mutter Neckar« auf der Friesenheimer Insel bekannt wurde.
Einen internationalen Durchbruch erfuhr er durch seine Teilnahme bei der »documenta IX« im Jahr 1992. Dort baute er mit Schwemmholz aus der Fulda den viel beachteten »Signalturm der Hoffnung«.  Sein letztes Werk, das er aus einer kleineren Kugel zur »Himmelskugel« auf dem Carl Reiss-Platz hinter dem Kunstverein gestaltete, hat ihn als einzig größeres Werk überlebt.  Edoga verstarb am 17.06.2014.
Gemeinsam mit dem Mannheimer Kunstverein planen die Musiker Claus Boesser-Ferrari, Erwin Ditzner und der Textkünstler Bruno Nagel eine musikalisch-performative Hommage an den Künstler, die am 09.12.2016 um 18.00 Uhr zur Aufführung kommen wird.

Mannheimer Kunstverein e.V.
Augustaanlage 58
68165 Mannheim

Erwin Ditzner im Jazzpodium

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Mein Freund Erwin Ditzner wurde mit einem außerordentlich kenntnisreichen Artikel von Volker Doberstein im aktuellen Jazzpodium bedacht. Doberstein bringt die Essenz von Ditzners Schlagzeug auf den Punkt: „Der gebürtige Wormser ist ein Klangtüftler im Mikrokosmos. Ihn reizt  das Innenleben von Klängen. Hier sucht er nach Differenzierung und Vielfalt. Fast schon zum Markenzeichen geworden ist seine sich immer wieder auch selbst hinterfragende Akribie im Umgang mit den Möglichkeiten, die in einem Instrument liegen; der tiefe Respekt vor jedem einzelnen Ton, der in sich wiederum eine unendliche Vielfalt an Formulierungsmöglichkeit birgt. Der Klang entsteht bei Ditzner daher auch nicht durch den Aufprall des Sticks auf ein Fell. Er ist als Vorstellung bereits viel früher vorhanden und seine physikalische  Realisation  ist keine isolierte Handlung, sondern der Höhepunkt einer Prozesskette, zu der auch Leerstellen bzw. nicht gespielte Töne gehören. Die Intensität der Rhythmik ist nicht technisch erzeugt, hat nicht primär mit Rhythmus und Timing zu tun, sondern ist reine bzw. allumfassende Musikalität. Sein Spiel, wiewohl dramaturgisch vollendet und wenn nötig auch mal plakativ pointierend, arbeitet immer auch mit einer Art Nachklang, der die Töne der Mitspieler  unmerklich luftig verbindet. Ditzners Spiel trägt, ohne dass er dafür eine eigene  Ebene einziehen  müsste. Was hier auf dem Drumset erzeugt wird, ist eine Art atomisierter  Klang. Kernmusik. Es gibt dabei kein klassisches Ganzes mehr, nur Partikel, die nicht bloß miteinander kommunizieren, sondern mit allem, was den jeweils gegenwärtigen musikalischen Raum ausmacht.“

Über die aktuelle CD von Erwin Ditzner und Lömsch Lehmann – des Ditzner Lömsch Duos – bei fixcel records schreibt er: „Das Resultat ist ein Album, das in seiner Zurückgenommenheit fast schon etwas Manisches hat. Wenn man antritt mit dem Vorsatz, dass jeder gespielte Ton eine Bedeutung  haben muss, dann kann man gerade als Jazzmusiker entweder in Panik verfallen  angesichts der Angst, dass einem die Noten  ausgehen könnten oder man kann sich hineinfallen lassen in eine Leere, die einen vielleicht nicht zu völlig neuen, dafür aber zu den jeweils einzig richtigen Klängen führt, zu einem Sinnbild musikalischer Erhabenheit. Wir reden hier nicht zuletzt deshalb von einer der besten deutschen Duo-Aufnahmen der letzten zehn Jahre. Das meisterhaft durchdeklinierte und ästhetisch  überaus  transparente  Konzept eines ausschließlich musikdienlichen Spiels ohne virtuose Eitelkeiten ist geeignet, Maßstäbe zu setzen. Hier haben zwei großartige  Individualisten nicht nur zu einer Stimme gefunden, vor allem haben sie mit ihr etwas Substanzielles zu sagen.“

 

(Das Foto zum Ditzner Artikel stammt von Wilfried Heckmann)