Albert Mangelsdorff Archiv Frankfurt

 

Albert Mangelsdorff Foto: Frank Schindelbeck | jazzfotografie

Die Stadt Frankfurt hat sich den Nachlass des Posaunisten Albert Mangelsdorff gesichert. Der Nachlass des berühmtesten Sohnes der Stadt (OK, Goethe darf auch erwähnt werden) und eines der bedeutendsten Jazzmusiker Deutschlands wird damit an der Hauptstätte seines Wirkens archiviert.

Es wird ein "Albert-Mangelsdorff-Archiv" und die Stadt Frankfurt wird damit ihrer kulturellen Verantwortung gerecht. Kulturdezernent Prof. Dr. Felix Semmelroth sagte: „Das ist ein großer Erfolg für die Stadt, denn auch andernorts gab es Begehrlichkeiten, die Zeugnisse der Jazz-Legende zu übernehmen. In diesem Zusammenhang gilt mein Dank der Witwe des Künstlers, Ilo Mangelsdorff, die uns ermöglichte, die vielfältigen und umfangreichen Materialien für die Nachwelt zu erhalten, sowie der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, die uns bei diesem Vorhaben großzügig unterstützte.“

Das Institut für Stadtgeschichte hat sich des Nachlasses des 2005 verstorbenen Künstlers angenommen und will damit den Grundstock eines neuen Jazz-Archivs bilden. Das Jazz-Archiv soll außerdem weitere Zeugnisse der national und international bedeutenden Frankfurter Jazzgeschichte sammeln.

Der Nachlass von Albert Mangelsdorff besteht aus sämtlichen Musikinstrumenten, sechs Kisten mit Noten und Arrangements, etwa 1000 Schallplatten, ca. 300 Tonbändern und Tonbandkassetten, zum Teil mit Probenmitschnitten, 300 CDs, ca. 50 Videokassetten, Preisen und Urkunden, Fotos, Plakaten, Büchern, Zeitschriften, Programmheften sowie 100 Aktenordnern mit persönlicher Korrespondenz, Verträgen und gesammelten Zeitungsausschnitten.

Insgesamt handelt es sich um die außergewöhnlich vollständige Dokumentation eines außerordentlich schaffensreichen Künstlerlebens. Das Institut für Stadtgeschichte sorgt dafür, dass diese Sammlung nicht zerstreut wird, stattdesen solle Albert Mangelsdorffs Nachlass fachgerecht archiviert, konserviert und wo nötig auch restauriert werden. Damit wird das Albert-Mangelsdorff-Archiv zu einer wichtigen Quelle für Forschung und Ausstellungen.

Es ist geplant, dass diese Sammlung nicht nur der der Forschung sondern auch der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

„Die hiesige Jazzszene inspiriert das kulturelle Leben der Stadt in vielen Bereichen und wirkt damit identitätsstiftend. Dazu wollen wir mit einem lebendigen Archiv unseren Beitrag leisten“, erklärt die Leiterin des Instituts für Stadtgeschichte Dr. Evelyn Brockhoff. „Da das Albert-Mangelsdorff-Archiv zu einer umfassenden Sammlung zur Frankfurter Jazzgeschichte ausgebaut werden soll, bittet das Institut für Stadtgeschichte außerdem alle Bürgerinnen und Bürger, Dokumente und Materialien zum Thema Jazz in Frankfurt dem Archiv zur Verfügung stellen“, so Dr. Brockhoff.

Der Jazzblogger, gleichzeitig bekennender Fan von Albert Mangelsdorff, freut sich. Es ist ein großartiges Signal für den Jazz in Deutschland, dass sich die Stadt Frankfurt dazu entschlossen hat, das Wirken des großen Künstlers Mangelsdorff nicht nur zu archivieren, sondern auch noch für die Allgemeinheit öffentlich zu machen. Man darf gespannt sein, inwieweit die oben genannten Tondokumente erschlossen werden. Für Mangelsdorff-Freunde dürften noch einige Schätzchen gehoben werden können…

Jazzstadt Frankfurt

Im deutschen und europäischen Jazz spielt Frankfurt seit den 1920er Jahren eine zentrale Rolle. Hier befand sich die erste Jazzklasse an einer deutschen Hochschule, nämlich von 1928 bis 1933 am Dr. Hochschen Konservatorium, das damals den Rang einer Musikhochschule hatte. Während der Nazi-Diktatur wurde Frankfurt neben Hamburg und Berlin zum Zentrum jugendlicher Swingfans. In den fünfziger Jahren entwickelte sich hier eine Reihe von Jazzinstitutionen, die dazu beitrugen, dass Frankfurt seinerzeit den inoffiziellen Titel „Jazzhauptstadt der Republik“ innehatte. Hier befindet sich der älteste deutsche Jazzkeller, gegründet 1952, und mit dem ein Jahr später begründeten Deutschen Jazzfestival das älteste regelmäßig stattfindende Jazzfestival weltweit.